Von Dörte Welti ‒ 20. November 2025

Manou Steiger-Heri ist in Zürich geboren, hat aber die ersten vier Jahre ihres Lebens in Brasilien verbracht. Der Vater, ein gefragter Spezialist für plastische Chirurgie, hatte die Möglichkeit ergriffen, dort eine weitere Ausbildung zu absolvieren. Aus dieser Zeit stammen Manou Steiger-Heris Sprachkenntnisse in Portugiesisch: «Bevor ich Deutsch gelernt habe, konnte ich Portugiesisch sprechen. Selbst nach unserer Rückkehr nach Zürich war Portugiesisch weiterhin für lange Zeit unsere bevorzugte Sprache.» Die Rückkehr aus Brasilien erfolgte, als sie vier Jahre alt war. Die Familie – ihre Mutter arbeitete als Flight Attendant bei der Swissair und stellte mit dem Kind auf Teilzeit um – lebte am Zürichberg, zog aber nach einigen Jahren nach Küsnacht.
Schulen in Küsnacht hat Manou Steiger-Heri nicht besucht. «Ich hatte als Teenager eine sehr romantische Vorstellung von einer Schulzeit auf dem Internat», gibt sie zu. Als Einzelkind aufgewachsen, begeisterte sie die Idee, auf einem Internat mit ganz vielen Gleichaltrigen zusammenleben zu können. Die Wahl fiel auf ein Internat in St. Gallen, das Manou Steiger-Heri mit einem International A Level abschloss, gleichbedeutend mit der Schweizer Matur. Und weil sie grad so schön im englischen Modus war, beschloss sie als 19-Jährige, mit dem Grundstock der Matur in der Tasche nach London zu ziehen. Ihr Plan: Modejournalistin werden. «Ich hab die ‹annabelle› verschlungen, Filme wie ‹Der Teufel trägt Prada› geschaut und sowieso immer ein Faible für Mode gehabt», verrät Manou Steiger-Heri freimütig. Ausserdem habe sie seit jeher gerne geschrieben, hat sogar mal ein Sommerpraktikum bei dem Mutterverlag aller Modezeitschriften, dem Burda-Verlag in Offenburg, in der Redaktion von «Joy» absolviert. Sie wusste also ungefähr, wie der tatsächliche Alltag ihres Traumjobs aussah – und was sie sah, gefiel ihr.
Dann aber, an einer Berufsmesse, brachte ein Berater ihre Pläne durcheinander. Sie solle lieber einen Studienzweig wählen, der breiter gefächert sei. Fashion Business empfahl man der Suchenden, und weil genau das damals eben nur im «Istituto Marangoni» in London angeboten wurde (heute gibt es mehr Standorte dieser Schule), schrieb sie sich dort ein. «Der dümmste Rat, den ich jemals bekommen habe», lautet ihre nüchterne Bilanz dieser Episode in ihrem Leben. «London war ja ganz schön, aber der Studiengang hatte mit allem zu tun, nur nichts mit den tatsächlichen Aufgaben einer Modejournalistin.» Manou Steiger-Heri verfolgte ihren Weg trotzdem konsequent weiter und absolvierte im letzten Sommer vor ihrem Abschluss ein Praktikum beim neu gegründeten High-Fashion-Magazin «L’Officiel Schweiz» in Zürich. Nach der Prüfung in London fragte sie bei der Zeitschrift an, ob man dort nicht einen festen Job für sie hätte – man hatte. Vier turbulente Jahre folgten, in denen Manou Steiger-Heri extrem viel arbeitete, noch mehr lernte und letztendlich doch ein bisschen von dem, was sie während ihres Studiums verinnerlicht hatte, anwenden konnte. «Ich hatte ein Netzwerk aufgebaut, dass ich nutzen konnte», berichtet sie. Sie konnte sich besser in die unternehmerischen Aspekte der Brands reinversetzen, über die sie schrieb.
Während dieser Zeit lernte sie auch ihre grosse Liebe, ihren jetzigen Mann kennen. Der war «schuld» daran, dass das Paar nach Singapur zog. «Das waren die drei besten Jahre meines bisherigen Lebens», schwärmt die Modejournalistin. Auch wenn sie dort nicht arbeiten durfte, sondern nur ein Studentenvisum besass, konnte sie tief in die Welt des Luxus eintauchen, machte zum Beispiel ein Praktikum beim Schmuckhersteller Van Cleef & Arpels. Und weil sie keine Arbeitserlaubnis hatte, studierte sie eben weiter, packte noch einen Master in digitalem Marketing in ihren Palmares. Covid und neue Karriere-Aussichten in Zürich waren letztendlich der Grund, warum Steiger-Heris die Zeit in Singapur nicht verlängerten. «Es war eine Dystopie von unglaublichen Zuständen», schaudert es die junge Frau noch heute. Der harte Lockdown, die Kontrollen, die Überwachung – all das verleidete dem Pärchen den eigentlich paradiesischen Aufenthalt in Asien. So flogen sie zurück in die Schweiz und liessen sich in Küsnacht nieder.
Mitgenommen aus Südostasien hat sie nicht nur diverse Erinnerungen, sondern auch einen Job. «Ich lernte noch in Singapur die Gründerin einer Online-Kunstberatungsagentur kennen», erklärt Manou Steiger-Heri. Und die fand, sie sei genau die Richtige, ihr Business in der Schweiz und Europa aufzuziehen. Das tat die Vielseitige drei Jahre lang, bis sie sich vor ebenfalls drei Jahren entschloss, bei einer Public Relations Agentur anzuheuern. Täglich hat sie jetzt mit Marken aus dem Luxus-Segment zu tun, verhilft den Kunden dank ihrer erfahrenen Schreibe zur perfekten Kommunikation. Küsnacht ist ihre Heimat geworden, ihr «safe haven», hier fühlt sie sich wohl, hier baut sie derzeit gemeinsam mit ihren Eltern ein Mehrgenerationenhaus. «Leider bin ich immer noch sehr viel unterwegs, so dass ich mich im Dorf gar nicht richtig engagieren kann», bedauert Manou Steiger-Heri, die total fasziniert die Trendsportart Hyrox praktiziert. Lokal einkaufen hingegen tut sie gerne. Sie liebt Tiere, ihr siebenjähriger Bolonka namens Otto ist ihr treuer Begleiter. «Wenn es eine Möglichkeit gäbe, würde ich sehr gerne in einem Tierheim helfen», sinniert die Hundemutter. Vielleicht geht eines Tages auch dieser Traum für sie in Erfüllung.
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