Einmal pro Jahr übt die Feuerwehr Küsnacht den Ernstfall eines brennenden Hauses – eine hochprofessionelle Angelegenheit. Wir durften zuschauen.
«Wasser marsch!»: Gezieltes Löschen heisst, im richtigen Moment die richtige Menge Wasser an den entscheidenden Ort zu bringen. (Bilder: dwe)
Mögliches Szenario: Ein Kochtopf hat auf einem Herd Feuer gefangen, das sich rasch ausbreitet, grosse Rauchentwicklung entsteht. Die Feuerwehr wird alarmiert und rückt Minuten später mit dem grossen Tanklöschfahrzeug aus. Zehn Feuerwehrleute inklusive Fahrer eilen zur angegebenen Adresse. Die Küche befindet sich im Erdgeschoss, das Fahrzeug kann nicht zur Eingangstür fahren, der Weg dorthin ist versperrt, Die Feuerwehr muss das Haus von hinten ansteuern. Die Männer und Frauen steigen vom Fahrzeug ab, einer läuft zum Haus, rekognosziert die Lage, sprintet zurück zur Mann- (und Frau-)schaft und berichtet. Schnell wird bestimmt, wie viele Meter welcher Schlauch ausgerollt werden muss (ein Schlauch misst 20 Meter). Inzwischen hat eine Angehörige der Feuerwehr (AdF) den Hydranten an der Strasse entdeckt, testet, ob er unter Druck steht und beginnt, ein Schlauchende anzuschliessen. Bei dieser Übung ist klar, dass keine Person gefährdet ist, eine Personenrettung muss also nicht erfolgen. Drei AdFs – zwei von ihnen üben, der dritte ist Ausbilder – schnallen sich die Pressluftflaschen um, mit denen sie je nach Einsatz bis zu 20 Minuten frische Luft zum Atmen haben. Der Trupp erkundet nochmals die Lage, die Küchentür ist geschlossen. Dann packt sich einer den Schlauch, begibt sich vor der Tür in die Knie – am Boden ist es kühler, wenn man bei Rauch und Feuer überhaupt von kühl sprechen kann –, der zweite AdF ist der Truppführer, sichert den ersten, öffnet die Tür, und mit zwei gezielten Wasserstössen auf den Brandherd ist das Feuer gelöscht.
Freiwillige Retter
Zweites Szenario: Ein Adventskranz ist in einem Wohnzimmer im ersten Stock eines Wohnhauses in Brand geraten, eine Person ist in der Wohnung, konnte sich aber auf den Balkon retten. Gleicher Ablauf, nur stellen hier zusätzlich vier AdFs von aussen eine schwere Holzleiter an den Balkon, um die stark hustende Person über die Leiter in Sicherheit zu bringen. Beide Manöver werden von immer wieder neuen Teams durchgespielt. Wenn jede und jeder die Abläufe einmal durchlaufen hat, gibt es Manöverkritik vom Offizier der Truppe. Er lässt die Abläufe in Worten repetieren, fragt nach, warum das eine so, das andere anders gemacht wurde und gibt Hinweise darauf, was die AdFs optimieren könnten. Alle 15 an diesem Vormittag an der Übung teilnehmenden AdFs sind Freiwillige – bis auf den Offizier, der als Berufsfeuerwehrmann am Züricher Flughafen tätig ist. Die Arbeit bei der Feuerwehr Küsnacht ist indes auch für ihn ein freiwilliger Einsatz.
Übung macht sicherer
Die Übung findet an einem eigens dafür gebauten Brandhaus in Hombrechtikon statt, das die Feuerwehr Küsnacht für diesen Zweck anmietet. Eine zweistöckige Konstruktion aus Beton und Tuffstein, in der man viele verschiedene Szenarien simulieren kann. An diesem Tag werden die Übenden noch mehrmals Brandherde (mit Holzpaletten) legen und Löschvorgänge üben. Einige AdFs sind zum ersten Mal dabei, ihnen wird die Handhabung der Pressluftflaschen eingehend erklärt und auch, wie man die Maske anlegt und die Schutzkleidung fachgerecht schliesst. Darüber hinaus wird das Auf- und Abrollen der Schläuche geübt, Sorgfalt ist oberstes Gebot, das Material muss intakt sein und funktionieren. Später, am Ende der Übung, müssen alle Geräte, alle Pressluftflaschen und Masken gereinigt, die Schläuche durchgespült und gewaschen werden, die Schutzanzüge kommen in ein riesige Waschmaschine.
Zuverlässigkeit in Personen
Die Übung am Brandhaus ist nur eine von vielen Übungen mit unterschiedlichen Gegebenheiten, die die Männer und Frauen der Feuerwehr Küsnacht übers Jahr hinweg durchführen. Sie sind wichtig, um im Training zu bleiben, wenn es denn mal wirklich brennt in unserem Dorf. Was zum Glück selten vorkommt, der letzte «richtige» Brand liegt Monate zurück. Viel öfter rückt die Feuerwehr aus, um Büsis zu retten, Wasser auszupumpen oder weil ein Brandmelder anschlägt, obwohl gar kein Feuer entfacht ist. Egal, die Helfer kommen immer, wenn man sie ruft, 365 Tage im Jahr. Und auch, wenn alle AdFs supernett, fachgerecht ausgebildet und hilfreich sind: Besser ist, man braucht sie nie.