Ein Kontrast zum internationalen Küsnacht

Von Joachim Lienert ‒ 11. September 2025

«Hier oben ist die Welt noch in Ordnung.» So begrüsste Michael Schnurrenberger am Montagabend die Mitglieder des Gewerbevereins Küsnacht zum geselligen «Get Together» bei Stefan und Karin Fenner auf dem Pünthof auf der Forch.

Stefan Fenner erzählt Spannendes und Erheiterndes über Stier Donald, Direktzahlungen und das Leben auf dem Pünthof. (Bilder: jli)
Stefan Fenner erzählt Spannendes und Erheiterndes über Stier Donald, Direktzahlungen und das Leben auf dem Pünthof. (Bilder: jli)

Biolandwirt Stefan Fenner gab den 35 Gästen einen Einblick in das Leben auf dem Lande über dem Dorfe. Mit Schalk erzählte er Interessantes und Erhellendes zur Landwirtschaft in Küsnacht. Die Gemeinde, sie ist weit mehr als nur ein grosses Dorf mit vielen gut situierten Bewohnern. Zu Küsnacht gehören auch zwölf Landwirtschaftsbetriebe, die die rund 400 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche in der Gemeinde bewirtschaften. Sieben von ihnen halten Rinder, darunter ­Stefan Fenner mit seiner Frau Karin und den drei Kindern. 2016, «als der Milchpreis himmeltraurig tief war», ist er aus der Milchproduktion ausgestiegen und stellte auf Mutterkuhhaltung um. «Bei uns darf das Kälbchen die ganze Milch der Kuh trinken.» Ohne Angestellte bewirtschaftet die Familie knapp 40 Hektar Land, eine Grösse, die rund 50 Fussballfeldern entspricht. Er erläutert, wie Direktzahlungen vom Bund funktionieren.

Die Zahlungen werden für Versorgungssicherheit, ökologische Programme, Förderung der Biodiversität oder für spezielles Tierwohl drei Mal im Jahr ausbezahlt – ein Biobetrieb wie seiner leiste viel für die Erhaltung von Biodiversität, Ökologie und Landschaft. Er wolle nicht jammern, «obwohl wir Bauern diesen Ruf haben», lacht er. Er arbeite rund 60 Stunden, an sieben Tagen die Woche. «Im Sommer sind es mehr, im Winter etwas weniger. Aber ich bin selbstständig, und wenn das Wetter mal nicht schön ist, kann ich auch am Morgen in Ruhe einen Kaffee mit meiner Frau trinken.»

Direkt ab Hof: Selten wurden Essen und Trinken frischer genossen.
Direkt ab Hof: Selten wurden Essen und Trinken frischer genossen.

Zum ersten Mal am Meer

Dass nicht viel Freizeit bleibt, illustriert ein kleines Beispiel: Im Frühling machte die Familie eine Woche Ferien auf Sardinien; ein junger Landwirt, dem er vertraut, vertrat sie auf dem Hof. «Unser Ältester ist mit 16 Jahren zum ersten Mal in seinem Leben geflogen und war zum ersten Mal am Meer – bestimmt einer der letzten aus Küsnacht in seinem Alter.» Ein Raunen geht durch die Gruppe, die über die idyllische Szenerie der weiten Weide blickt – im Vordergrund die berühmte Weihnachtslinde. Seit etwa 400 Jahren wirken die Fenners hier oben als Landwirte. Er hofft, nicht der letzte zu sein, auch wenn seine Kinder im Moment anderes vorhaben. «Es ist ein gutes Lebensmodell. Aber man muss es wollen.»

Erheiterndes erfahren die Gäste über Stier Donald. Er ist wohl der Einzige, der auf dem Hof ähnlich viel arbeiten muss wie seine Halter. Es verträgt nur einen Stier in der Gruppe von rund 30 Kühen; jede von ihnen besteigt er einmal im Jahr. «Er riecht drei Tage im Voraus, wenn eine Kuh brünstig wird.» Macht 90 Tage im Jahr, an denen er entschlossen auf ein Ziel fixiert ist.

Die Kühe nahmen den Besuch gelassen.
Die Kühe nahmen den Besuch gelassen.

Alles bio, alles vom Hof

Vom Ergebnis können sich die Gewerblerinnen und Gewerbler an den von Heuballen flankierten Tischen überzeugen: feinstes Trockenfleisch, feinste Wurst. Dazu Süssmost vom Hof, selbstge­backenes Brot und Wähen. Ob ­Maler- oder Baumeister, Elektrounternehmer oder Zahnärztin, Küchenbauerin oder Physiotherapeutin, Lebensmittelhändler oder Apotheker, man unterhält sich angeregt und begeistert. Manche kannten den Pünthof nicht. Dabei gibt es hier oben direkt ab Hof zu kaufen, was man kaum in Küsnacht verorten würde: frisches Natura-Beef, Trockenfleisch, Würste, Eier, Süssmost, Honig, Mehl, Konfi, Sonnenblumenöl – alles bio, alle Produkte ausschliesslich vom Hof. Der Pünthof ist einer der wenigen Höfe in der Schweiz, der seine Rinder auf dem Hof töten lässt – so stressfrei wie möglich –, denn die Hoftötung ist in der Schweiz erst seit zwei Jahren erlaubt. Anschliessend werden die Tiere im kleinen Schlachthaus von Nils Müller auf der Forch geschlachtet.

Vorstandsmitglied Michael Schnurrenberger erklärt das «Get Together». Mindestens viermal jährlich führt der Verein – er zählt über 200 Mitglieder – einen solchen Anlass durch, immer in einem anderen Betrieb. «In Küsnacht geht es ja oft international zu und her. Der Pünthof ist ein spannender Kontrast. Er zeigt, was unsere Gemeinde ausserhalb des Bekannten zu bieten hat.»

Informationen zum Pünthof:
www.puenthof-forch.ch

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