From the Kantonsschule to the Horn

Von Björn Reinfried ‒ 28. August 2025

Letzten Samstag fand in und vor der Semihalle der Kantonsschule der alljährliche Neu­zuzügeranlass statt.

Von jung bis alt und von Spanien bis Basel - die Neuzugezogenen sind ein Querschnitt Küsnachts. (Bilder: bre)
Von jung bis alt und von Spanien bis Basel – die Neuzugezogenen sind ein Querschnitt Küsnachts. (Bilder: bre)

Normalerweise schiessen sie auf Höchstgeschwindigkeiten beschleunigte Bälle ins Netz und lehren andere Teams das Fürchten, doch am vergangenen Samstag ­boten sie regionalen Wein, Saft und Gebäck an: Die jungen Frauen des Fussballclubs Küsnacht sind an diesem Vormittag für das Catering verantwortlich. Nebst dem Fussballclub präsentieren sich Dutzende weitere Vereine, politische Parteien und die Gemeinde selbst an Ständen in und vor der Semihalle. ­Umschwärmt werden die fünfzig Teilzeit-Schausteller von den rund 150 Neuzuzügerinnen und -zuzügern, die der Einladung der Gemeinde gefolgt sind.

Gut zehn Prozent aller Neuzuge­zogenen sind gekommen, um hier zwischen Eishockey-Trikots und Glücksrad mehr über ihre neue Wohngemeinde und deren Institutionen zu erfahren. «Jedes Jahr ziehen ungefähr 1500 Menschen nach Küsnacht», so Gemeindepräsident Markus Ernst. «Aber ungefähr genauso viele ziehen weg. Küsnacht verzeichnet ein leichtes Wachstum, bleibt aber alles in allem recht stabil.»

Welcome to Küsnacht!

Um etwa elf Uhr zieht es die Menschen langsam vom Vorplatz in die Semihalle. Familien mit jungen Kindern oder Babys, Paare mit Hund, ältere Menschen oder Alleinstehende; die Personen, die für die Ansprache des Gemeindepräsidenten in die Halle strömen, könnten unterschiedlicher nicht sein. Markus Ernst zeigt sich bezüglich der Heterogenität der Küsnachter Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger wenig überrascht: «Es ziehen Menschen aus den unterschiedlichsten Gruppen hierher: von jungen Familien bis zu Rentnerinnen und Rentner. Es ist ein Querschnitt durch die Bevölkerung. Was jedoch auffällt: Küsnacht hat einen hohen Anteil an Fremdsprachigen.»

Tatsächlich fällt auf: Steht man in der bunten Schar, hört man alles. Von Baseldytsch bis Spanisch. Am meisten jedoch Englisch. So ist auch niemand überrascht, als der Gemeindepräsident mit einem Mikrofon die Wendeltreppe hochsteigt und alle Anwesenden begrüsst: «Willkommen in Küsnacht – Welcome to Küsnacht!.» Die Ansprache an die neuen Küsnachterinnen und Küsnachter ist bilingue – Englisch ist längst die inoffizielle Zweitsprache an der Goldküste geworden.
«Man hört viel Englisch im Dorf, das ist so», bestätigt Markus Ernst und erklärt, dass Küsnacht vor ­einigen Jahren eine der schweizweit höchsten Anteile von Menschen mit englischer Muttersprache hatte. «Das ist nicht immer einfach, weil Kinder, die in der Familie eine Fremdsprache sprechen, zum Teil Schwierigkeiten haben, gut Deutsch zu lernen. Aber am Ende des Tages sind wir einfach eine von 2000 Gemeinden der Schweiz: Wir heissen alle willkommen, die sich mit guten Gründen dafür entscheiden, zu uns zu ziehen.»

Eine Chronologie des Anlasses in Bildern: Ein Glas Wein bei den FC-Frauen holen, dann die verschiedenen Stände abchecken, der zweisprachigen Ansage des Gemeindepräsidenten lauschen und zum Ende eine Sightseeing-Tour zum Hafen runter – im besten Fall mit Weinglas.
Eine Chronologie des Anlasses in Bildern: Ein Glas Wein bei den FC-Frauen holen, dann die verschiedenen Stände abchecken, der zweisprachigen Ansage des Gemeindepräsidenten lauschen und zum Ende eine Sightseeing-Tour zum Hafen runter – im besten Fall mit Weinglas.

Als der Zehnte zum See gekarrt wurde

Nachdem der Neuzuzügeranlass langsam zu seinem Ende gekommen ist, die Frauen des Fussballclubs die letzten Flaschen Wein ausgeschenkt und die letzten Häppchen verteilt haben, werden vier Dorfrundgänge angeboten: zwei auf Deutsch, zwei auf Englisch. Gut ein Viertel der Interessierten versammelt sich am Treffpunkt für die ­englischsprachigen Führungen. ­Gemeinderat Gauthier Rüegg, normalerweise für Hochbau und ­Planung zuständig, übernimmt die Rolle des englischsprachigen Tour Guides und führt die Gruppe von der Kantonsschule bis zum Horn. Neben spannenden Fakten über alte Gebäude und Funktionsweisen der Gemeinde gibt es auch interessante Details wie die historisch nicht ganz geklärte Herkunft des «Pillow» im Namen und Wappen der Gemeinde zu erfahren. Wird nach einem englischen Wort gesucht, hilft jemand aus der Gruppe aus – einer der Vorteile einer mehrsprachigen Bevölkerung. Doch zugegeben; es ist auch nicht ganz ­einfach, auf Englisch zu erklären, weshalb die Küsnachterinnen und Küsnachter des Mittelalters ihren Zehnten in Form von Wein an den See runterkarren mussten.

Bleibt nur noch die Frage, warum Menschen genau nach Küsnacht ziehen. Der Gemeindepräsident ­vermutet mehrere Gründe. «Küsnacht bietet viel: eine schöne Lage am See, einigermassen nach Süden ausgerichtet. Die gleichzeitige Nähe zur Stadt und zur Natur sowie das Dorfleben bieten eine hohe Lebensqualität.» Und was sagen die Neuzuzüger selbst? In der Gruppe, die sich am Hafen voneinander verabschiedet, sind die Gründe unterschiedlich: Einige sind mehr oder weniger zufällig hier gelandet. Andere sind nach Küsnacht gezogen, weil ihre Partnerin oder ihr Partner bereits hier wohnt. Ein junges Paar aus Schottland und Lausanne zog es nach Küsnacht, weil beide in Zürich arbeiten, aber nicht in der Stadt wohnen wollen – aber eben in deren Nähe.

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