Im Einsatz für Pflanzen, Tiere und Menschen

Von Dörte Welti ‒ 21. August 2025

Vergessen Sie das Bild vom Filzwams tragenden Förster, der mit Gamsbart am Hut und geschultertem Jagdgewehr durch Wälder und Auen streift. Küsnachts Revierförster Manuel Peterhans ist ein ­moderner Botschafter für die Natur.

Hat er selbst gebaut: Manuel Peterhans auf einer Bank vor dem Forsthaus. Sein Leitsatz, der auch über dem Eingang zum Forsthaus hängt: «Wir säen was wir nicht ernten werden, und ernten, was wir nicht gesät haben.» (Bild: dwe)
Hat er selbst gebaut: Manuel Peterhans auf einer Bank vor dem Forsthaus. Sein Leitsatz, der auch über dem Eingang zum Forsthaus hängt: «Wir säen was wir nicht ernten werden, und ernten, was wir nicht gesät haben.» (Bild: dwe)

Manuel Peterhans wuchs im Hinterthurgau auf und hatte als Bub einen fixen Berufswunsch: Landwirt. Sein grosses Vorbild: «Mein Grossvater. Er war Landwirt mit eigenem Hof, von ihm habe ich ­damals alles über die Zusammenhänge in der Natur gelernt.» Als Manuel aber alt genug war, in eine Lehre zu gehen, gab es zwar den familiären Hof noch, ein Cousin hatte ihn aber übernommen, und so entschloss sich Manuel Peterhans, mit der Lehre zum Forstwart in einen artverwandten Beruf einzusteigen. «Ich habe mich schon früh auch für den Wald begeistern können», strahlt der heute 48-Jährige. «Der Aufgabenbereich ist unglaublich vielschichtig, abwechslungsreich, und man ist direkt an der Basis unseres Ökosystems.»

Lehr- und Schulzeiten

Die dreijährige Lehre zum Forstwart hat Manuel Peterhans in ­einem Forstbetrieb in seinem ­Heimatkanton gemacht. Dann folgten zwei Jahre Berufspraxis, bevor er die Aufnahmeprüfung für eine der zwei einzigen Schulen in der Schweiz, die die höhere forstliche Berufsbildung zum Förster überhaupt anbieten, machen konnte. Manuel Peterhans, damals einer der Jüngsten in der Försterschule, bestand, und erinnert sich, dass es damals auch die erste weibliche Forstwartin gegeben habe. «Heute sind in jedem Jahrgang Frauen, die Försterinnen werden wollen», weiss der Revierförster. Auch bei ihm respektive der Holzkorporation Küsnacht, bei der er angestellt ist – die Gemeinde beauftragt die Holzkorporation mit der Pflege des Waldes –, würden sich immer wieder Frauen für den Lehrberuf interessieren. Selbstverständlich seien Forstwartin und anschliessend auch Försterin längst auch Berufe für Frauen.

Bäume im Wandel

Die zwei Jahre Försterschule waren Internatsjahre, praxisbegleitet, ­Manuel Peterhans konnte während der Schulzeit ein Praktikum im Maggiatal machen. Bevor er aber einen festen Job annahm, wollte er seinen Horizont noch mehr erweitern: «Es hat mich von jeher interessiert, wie Waldwirtschaft in anderen Ländern funktioniert. Darum bin ich für ein Jahr für einen Sprachaufenthalt nach Kanada gereist.» Seit 2004 arbeitet er als Revierförster in der Holzkorporation Küsnacht. Das Forstrevier, das er und seine Mannen betreuen, ist gemeindeübergreifend, die Waldgebiete in Erlenbach, Herrliberg und Egg gehören ebenfalls dazu.

In den über 30 Jahren, in denen Manuel Peterhans seiner Passion folgte, hat sich viel verändert, besonders in den letzten Jahren: «Durch die Pandemie haben viel mehr Menschen den Wald als Erholungsraum für sich entdeckt. Das bedeutet auch grössere Herausforderungen für uns als Forstarbeitende.» Er nennt ein Beispiel: Mehr Menschen im Wald bedeutet auch mehr Leute, die aufmerksam durch den Wald streifen. Das führe hie und da eben auch zu mehr Reklamationen an der Arbeit des Revierförsters und seines Teams: «Wir bekommen Anrufe, wir sollen den Wald besser aufräumen und würden eine falsche Waldbewirtschaftung verfolgen.»

So dankbar der Förster für Hinweise auf Mängel oder Gefahren im Wald auch ist, so gerne räumt er mit Vorurteilen auf: «Das Waldbild hat sich verändert, es ist lichter geworden. Daran sind vor allem der Orkan Lothar (Weihnachten 1999) und der Borkenkäfer schuld.» Man versuche heute, mit dem Pflanzen neuer Baumarten dem Klimawandel Rechnung zu tragen, pflanze neue heimische Bäume, lasse aber auch Totholz liegen, um Habitate für allerlei Pflanzen und Getier zu kreieren.

Umgehen mit Kritik
Es gebe auch Kritik am Baumschlag. Aber das müsse sein, wenn man Holzwirtschaft mit vitalen Wäldern betreiben wolle, erklärt der Förster: «Zum einen sind das natürlich wirtschaftliche Vorgänge, zum anderen naturverjüngende Massnahmen. Wie wir Menschen stehen auch Bäume bis zu ihrem 30. Lebensjahr am stärksten im Saft. Danach bauen sie durch Pilze und Insekten ihre Festigkeit ab.» Deswegen fällt ein Baum noch lange nicht um, aber wenn man ihn in Gänze als Rohstoff nutzen will, sollte er nicht viel älter als 30 Jahre sein.

Darüber hinaus wird Überwuchs gelichtet, und man fällt die dicksten und schlechtesten Stämme, um Raum für die nächste Baumgeneration zu schaffen. Wie nachhaltig die Küsnachter Holzwirtschaft ist, zeigen grandiose Beispiele im Dorf: Das Alters- und Gesundheitszentrum Tägerhalde wurde mit Küsnachter Holz gebaut, das neue Feuerwehrdepot ebenfalls, und für die Auf­stockung des Schulhauses Heslibach, soeben abgesegnet, wird auch der heimische Rohstoff genutzt.

Forst macht Schule

Man könnte ihm stundenlang zuhören, Manuel Peterhans weiss ­unendlich viel. Und gibt sein Wissen gerne weiter, er freut sich, wenn Lehrpersonen mit ihren Schulklassen kommen, für die er und sein Team sich besondere Attraktionen ausdenken (in denen nicht selten ein ausgestopfter Fuchs die Hauptrolle spielt). Apropos Fuchs: Der Förster besitzt den Jagdschein und sorgt gemeinsam mit der ­Küsnachter Jagdgesellschaft dafür, dass der Wildbestand gesund bleibt.

Respekt ist essenziell

Auch seine Freizeit hat nicht selten mit Wald zu tun: «Meine Frau, meine drei Kinder und ich verbringen Ferien gerne am Meer. Ich schaue aber immer, dass ich auch etwas über die Art und Weise lernen kann, wie andere Länder mit ihrem Waldbestand umgehen.» Manuel Peterhans pflegt deswegen guten Kontakt zu Kollegen aus Deutschland, Österreich und Italien.

Wir haben uns ziemlich lange unterhalten, der Wald ruft, Manuel Peterhans muss los. Vorher aber noch eine Frage: Was wünscht er sich von den Menschen, die den Wald nutzen? «Man muss verstehen, dass der Wald Privatbesitz ist, wir pflegen den Wald im Auftrag der Besitzer», erklärt er. «Man darf sich im Wald frei bewegen, aber er gehört immer jemandem.» Respekt vor dem Eigentum anderer sei wichtig. Das heisst: keinen Müll liegen lassen, nichts zerstören und sich im Wald gegenseitig respektieren. Letzteres richtet er an Jogger und Hündeler, die manchmal aneinandergeraten, und an Reiter und Biker, die das Heu nicht immer auf derselben Bühne haben. «Im Wald ist Platz für alle», lächelt Manuel Peterhans.

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