Kontrollieren geht über probieren

Von Björn Reinfried ‒ 15. Januar 2026

Die Pilzkontrolle gibt in ihrem Jahresbericht Einblicke in die Fakten und Zahlen des ver­gangenen Jahres. Auffällig ist, dass mehr Giftpilze aus dem Sammelgut aussortiert wurden – darunter auch einige, die tödlich giftig sein können.

Der Inbegriff eines Giftpilzes: Fliegenpilze. Doch im jungen Stadium können die Fruchtkörper leicht mit essbaren Stäublingen verwechselt werden. (Bild: bre)
Der Inbegriff eines Giftpilzes: Fliegenpilze. Doch im jungen Stadium können die Fruchtkörper leicht mit essbaren Stäublingen verwechselt werden. (Bild: bre)

Im Zeitraum von Juli bis Mitte November 2025 inspizierte die Pilzkontrolle 193 Körbe voller Pilze. Das sind knapp 183 Kilogramm. «Die Ernte fiel in diesem Jahr eher unterdurchschnittlich aus», sagt Hans-Peter Neukom, der selbst viele der Pilze kontrolliert hat. Gleichzeitig hätten er und seine Kollegen mehr giftige Pilze als in den letzten Jahren gefunden. «6,6 Kilo Giftpilze im Jahr, das ist relativ viel», so der Experte. Ein Grund dafür können Anfänger sein, die die Pilze entweder fälschlicherweise mitgenommen haben oder sie zur Kontrolle bringen, um zu erfahren, um welche Sorte es sich dabei handelt. Bei diesen Giftpilzen geht es allerdings nicht um tödliche Exemplare, sondern um solche, die zum Beispiel Magen-Darm-Beschwerden oder andere Irritationen und Nebenwirkungen hervorrufen können. Der Anteil an Pilzen mit tödlichem Gift betrug bei den letztjährigen Kontrollen lediglich 0,3 Kilogramm.

Weiter steht im Bericht, dass verhältnismässig viele Trüffeln gefunden worden seien. «Interessanterweise fanden Pilzsammler auch ohne Spürhunde viele Trüffeln, da diese zum Teil so gross waren, dass sie bereits aus dem Boden schauten.» Die Kontrollen zeigten dann, dass es sich bei den meisten um Burgunder-Trüffel von ausgezeichneter Qualität und feinem Aroma handelte.

Auch einige Vorfälle mit (vermeintlichen) Giftpilzen finden in dem Bericht Erwähnung. «Ein Hund frass beispielsweise einen Hallimasch. Dieser Pilz ist ohne vorgängiges Abkochen leicht giftig», erzählt Hans-Peter Neukom. «Die einen reagieren darauf, die anderen nicht – das gilt sowohl für Hunde als auch für Menschen. Glücklicherweise hatte der Hund keine Symptome, aber interessant war der Vorfall gleichwohl.»

Es passiere auch immer wieder, dass Kinder auf einer Wiese spielten und unbekannte Pilze ässen. Kleine Mengen seien im Normalfall nicht weiter schlimm, man müsse jedoch ausschliessen können, dass die Pilze giftig seien. Weiter erzählt Hans-Peter Neukom, dass immer wieder Pilze gebracht würden, die nur dann giftig seien, wenn man sie nicht ausreichend lange kocht – wie etwa der Rotstielige Leder-Täubling, der ungekocht Brechdurchfall hervorrufen kann. «In solchen Fällen weisen wir jeweils darauf hin, dass die Pilze auch wirklich ausreichend gekocht werden.»

Der Pilzexperte kennt viele solcher Beispiele. So auch das des Spitzgebuckelten Raukopfs, eines Pilzes, der erst nach etwa 14 Tagen Vergiftungssymptome hervorrufen und die Nieren schädigen kann. «Ohne medizinische Behandlung stirbt der Patient.» Das Beispiel zeigt die Drastik der Thematik auf. «Grundsätzlich empfehle ich allen, die sich nicht hundert Prozent sicher sind, ihre Pilze in die Kontrolle zu bringen. Beim geringsten Zweifel: Kontrollieren geht über probieren!»

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