Obere Bühlstrasse: Wie geht es weiter?

Von Björn Reinfried ‒ 2. Oktober 2025

Alle Mietparteien der beiden Wohnhäuser an der Oberen Bühlstrasse 19 bis 27 haben die Kündigung auf Ende August nächsten Jahres erhalten. Einige Mieterinnen und Mieter wehren sich mit einer Anfechtung – eine erste Verhandlung folgt im Dezember.

Die von der Leerkündigung betroffenen Häuser an der Oberen Bühlstrasse. (Bild: zvg)
Die von der Leerkündigung betroffenen Häuser an der Oberen Bühlstrasse. (Bild: zvg)

Das Medienecho war gross. Von Lokalzeitungen bis zu Fernsehsendern – viele griffen das Thema auf: Kündigungsschock an der Oberen Bühlstrasse. Alle 56 Mieterinnen und Mieter haben die schriftliche Kündigung der Immobilienverwaltung «Livit» erhalten. Der Grund: Die Besitzerin, die Turintra AG – eine Gesellschaft des Immobilienfonds UBS Sima – will die beiden Häuser generalsanieren. Einige Mieterinnen und Mieter finden das auch deshalb stossend, weil die beiden identischen Nachbarhäuser ohne Leerkündigung saniert werden konnten. Sie setzen sich nun zusammen mit dem Mieterverband Zürich zur Wehr und gehen vor die Schlichtungsbehörde.

Peter Ritter und seine Frau gehören zu jenen Mietern, die die Kündigung nicht einfach akzeptieren möchten. Sie leben seit mehr als 44 Jahren in ihrer Wohnung und finden die Leerkündigung insbesondere deswegen belastend, weil ihr gesamtes Umfeld in Küsnacht ist. Ein Wegzug wäre für sie eine Entwurzelung: «Wir wollen etwas in Küsnacht finden, aber das ist nicht einfach. Unsere Kinder sind schon lange draussen und einen Hund, durch den wir an einem neuen Ort einfach neue Kontakte knüpfen könnten, haben wir auch nicht.» Das Ehepaar würde nach der Sanierung grundsätzlich gerne wieder in seine alte Wohnung ziehen, doch was machen, während die Häuser unbewohnbar sind? «Das wird schwierig. Es muss sich etwas finden», sagt Peter Ritter.

Mangelhafte Kommunikation

Walter Angst, Leiter Kommunikation beim Mieterinnen- und Mieterverband Zürich, kennt diese Probleme. Eine Vertrauensanwältin des MV vertritt die Mietparteien an der Verhandlung bei der Schlichtungsbehörde im Dezember und bereitet den Fall vor. «Mein Hauptkritikpunkt ist der Umgang der Vermieter mit den Mietern. In solchen Fällen bekommt man einfach einen eingeschriebenen Brief und fertig. Würde man die Mieterinnen und Mieter ernst nehmen, hätte man schon früher informiert und vor allem früher Lösungen gesucht – das wäre zum Wohle aller gewesen.»

Ein weiterer Kritikpunkt ist die fehlende Unterstützung der Vermieter bei der Suche nach einer Anschlusslösung. «Angebote für eine Anschlusslösung wurden erst nach der Kündigung gemacht», bemängelt Walter Angst. Mit einer frühzeitigen Information über das von langer Hand vorbereitete Bauvorhaben hätte man den Mieterinnen und Mietern mehr Zeit gegeben, sich zu orientieren. Auch Peter Ritter würde sich hinsichtlich einer Anschlusslösung mehr Unterstützung wünschen: «Der Vermieter ist ja nicht gezwungen, eine neue Wohnung für die Mieter zu suchen. Die eingegangenen Vorschläge sind daher eher Pseudo-Angebote, da sie bereits auf den Immobilien-Portalen inseriert werden. So etwas wie hier zu finden, ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit.»

Zum Vorwurf der mangelhaften Kommunikation und der Pseudo-Angebote schreibt die UBS-Medienstelle: «Die Liegenschaftsverwaltung hat alle Mietenden kontaktiert, um zusätzlich zum Kündigungsschreiben ein persönliches Gespräch anzubieten, was von einem Grossteil auch angenommen wurde. Livit unterstützt Mietende individuell bei der Suche nach Anschlusslösungen (unter anderem durch Aufnahme Suchkriterien, Zustellung aktueller Wohnungsangebote, grundsätzliche Priorisierung bei Neuvermietungen innerhalb des Portfolios der Liegenschaftsverwaltung, etc. ).»

Warum die Gesamtsanierung mit Leerkündigung?

Die beiden Mehrfamilienhäuser wurden 1978 gebaut. Seither wurde nur wenig saniert. «Unser Haus wurde vernachlässigt. Statt nachhaltigen Sanierungen wurden nur punktuelle Eingriffe gemacht, die möglichst günstig und nicht nachhaltig waren», erklärt Peter Ritter. Dass sich die Häuser nicht mehr im besten Zustand befinden, bestätigt auch die UBS-Medienstelle. Sie schreibt: «Die Liegenschaften erfordern Investitionen, um die Gebäudesubstanz zu erhalten und in Bezug auf Nachhaltigkeit, Technik und Komfort zeitgemäss weiterzuentwickeln. Nach umfassender Prüfung aller Optionen hat die Eigentümerin sich für eine Gesamtsanierung entschieden.»

Bei den beiden identischen Nachbarhäusern wurden vor einigen Jahren ebenfalls umfangreiche Sanierungen durchgeführt, allerdings ohne Leerkündigung – ein Umstand, den viele Mieterinnen und Mieter nicht nachvollziehen können.
Walter Angst nennt einen Grund für die Leerkündigung: «Der Vermieter kann natürlich selbst entscheiden, ob er die Leute rauswirft. Eine Sanierung ist im Normalfall auch im bewohnten Zustand möglich, aber dann kann man den Mietzins nicht im gleichen Masse erhöhen wie bei der Kündigung und Neuvermietung.»

Die UBS-Medienstelle begründet die Leerkündigung indes mit den umfangreichen Eingriffen in die Bausubstanz: «Aufgrund der Eingriffstiefe ist eine Umsetzung in bewohntem Zustand nicht möglich. Geplant sind eine neue energetisch optimierte Gebäudehülle, neue Zu- und Abwasserleitungen, neue Heizungs- und Elektroinstallationen und vieles mehr.»

Ein Lichtblick, der wohl keiner ist

«Wir können den Skandal benennen, Druck machen und Zeit gewinnen», sagt Walter Angst vom Mieterinnen- und Mieterverband Zürich. «Wir können mehr Zeit für die Wohnungssuche verlangen oder bessere Angebote für Anschlusslösungen für die Mieter vereinbaren.» Die UBS schreibt, dass die aktuellen Mieter nach der Sanierung bei der Neuvermietung priorisiert würden, doch Walter Angst vermutet, dass die aktuellen Bewohner sich die Mieten nach der Sanierung gar nicht mehr leisten können: «Hier wird es einen satten Aufwertungsgewinn geben. Es ist kein neuer Trend, nach Sanierungen sehen wir enorme Mietzinssprünge – die Mieten werden nicht selten verdoppelt. Damit gewinnen die Wohnungen in den Büchern massiv an Wert, ohne dass man mehr Fläche schafft.»

Dass die Mietpreise nach der Sanierung steigen werden, verneint die UBS-Medienstelle nicht, kann aber noch keine konkreten Zahlen nennen: «Die Mietpreise sind heute noch nicht bekannt, werden aber dem markt- und ortsüblichen Angebot entsprechen.»

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