Von Dörte Welti ‒ 9. Oktober 2025







Zugegeben: Die ganz grosse Auswahl an Selbstbedienungsshops gibt es nicht auf Küsnachter Gemeindegebiet, dazu muss man sich schon über die Grenzen hinauswagen. Aber es hat dennoch eine nette Anzahl von Verkaufspunkten, wo man Esswaren (und mehr) auch ausserhalb regulärer Öffnungszeiten oder sogar, wie jetzt, in den Ferien bekommt. Wenn man dazu noch mit offenen Augen und gemässigter Geschwindigkeit durch die Weiler fährt, entdeckt man zusätzlich die ein oder andere lokale und temporär verfügbare Spezialität – Kürbisse zum Beispiel –, angeboten von Familien, die keinen eigenen Hofladen führen.
Wir begeben uns auf eine «Tour de Küsnacht», um für Sie die offiziellen Hofläden und Verkaufspunkte mit ihrem Angebot aufzulisten. Erster Stopp: der Hof von Marcel Grimm im Dörfli in Itschnach. Der Chef hat die Auslagen vor das Geschäft gekarrt und gemeinsam mit seinem Team eine wunderschöne Herbstdekoration kreiert. Leider kann man bei Grimm die Kürbisse und Auslagen nur zu den üblichen Ladenöffnungszeiten beziehen. Man erwägt, ein Bezahlsystem einzuführen, mit dem Kunden sich auch zu allen anderen Zeiten des Angebots bedienen können. So ganz fertig hat man das Thema in Itschnach indes noch nicht gedacht. Was es aber rund um die Uhr gibt: frisch gepressten Apfelsaft, es hat, so lang es hat, ein Kässeli steht für die Münzen bereit.
Extrem gutgläubig geht man bei der Gärtnerei Karrer mit dem Thema Selbstbedienung um. Allerdings hat es gerade in der jüngsten Vergangenheit einen unschönen Vorfall gegeben. Jemand hat kurzerhand alles, was noch an frischem Gemüse in dem kleinen Verkaufsraum war (in den man einfach hineingehen kann, auch wenn niemand in der Gärtnerei ist), geplündert und ist, ohne zu bezahlen, getürmt. Das hat den Glauben an die Redlichkeit der Bürger etwas erschüttert, die Geschäftsführerin Evelyn Biedermann-Karrer ist sauer. Und weiss nicht, ob sie dieses auf langjährigem Vertrauen basierende System weiter aufrechterhalten will. Verständlich. Gemüse gibt es zu dieser Jahreszeit nur bedingt, auch die leckere Tomatenauswahl ist bald zu Ende. Aber Pflanzen gibt es eigentlich immer und man darf auch an nicht offiziellen Verkaufstagen durch die Gärtnerei schlendern, für Spontankäufe stehen dann diverse Bezahlsysteme zur Auswahl.
Auf dem «Hof Neue Forch» oben in der Alten Forchstrasse ist jetzt und im Winter das Rund-um-die-Uhr-Angebot auf Frischmilch beschränkt. Ein Automat steht bereit, den man mit Münzen bedienen kann, das Gefäss zum Milch abfüllen muss man selbst mitbringen. Wer regelmässig dort vorbeifährt, weiss, dass es im Sommer im Unterstand vor der Tür von Christian Mathys auch eine grosse Auswahl an Beeren gibt. Auf der anderen Seite der Forchautobahn findet man auf wenigen hundert Metern gleich mehrere Angebote. Der Pünthof Forch von Familie Fenner ist umfangreich ausgestattet und täglich von 8 bis 19 Uhr offen, also auch an den Wochenenden. Es gibt Fleisch – auch Suppenhühner! – vom Hof, der vor zwei Jahren auf hofeigene Schlachtung umgestellt hat. Ausserdem produziert die Familie Raps- und Sonnenblumenöl, Süssmost, Mehlsorten und eine Variation von Konfitüren. Und es muss eine oder einen Keramikkünstler in der Familie geben, denn man kann auch selbst hergestellte Schalen, Teller und andere Kreationen erwerben.
Das mit der Hoftötung geht auf Claudia Wanger und Nils Müller vom Betrieb «Zur chalte Hose» am Küsnachter Berg zurück, die es im Juni 2020 nach langem Ringen geschafft haben, dass Weide- und Hoftötung von Rindern per Gesetz in der ganzen Schweiz erlaubt wird. Vor drei Jahren konnten sie mit Wanger’s Landmetzg auch das Schlachthüsli in Wangen-Küsnacht neu eröffnen, wo sie den Viehhaltern der ganzen Region ihren Service anbieten. Im Hofladen ihres eigenen Anwesens, das wirklich auf dem letzten Zipfel Küsnachter Grund in einer Mulde oben auf der Forch liegt, gibt es Fleischspezialitäten und vieles mehr. Ausserhalb der regulären Öffnungszeiten am Freitag oder Samstag kann man sich telefonisch anmelden, wenn man dringend etwas von ihren Waren braucht.
Von Christian Mathys haben wir den Tipp bekommen, bei Cindy und Marcel Bühler im Wiserholz vorbeizuschauen. Man muss schon genau hinschauen, um das Schild «Fleisch-Verkauf» zu entdecken. Öffnungszeiten findet man nicht, aber der Hofladen scheint jeden Tag zu «normalen» Zeiten zugänglich zu sein (sonst hängt an der Hausfront ein Plakat mit Telefonnummer). Geht man weiter, gelangt man an eine Tür, hinter der in einem Kühlschrank Fleisch liegt, Kasse und Bezahlsysteme sind vorhanden. Bühlers halten Galloway-Rinder, das Fleisch stammt von diesen Tieren. Auf der Rückfahrt ins Dorf kommen wir noch an dem ein oder anderen Gehöft vorbei, an dem Kürbisse draussen liegen, ein Kässeli daneben. Auch Schilder mit Hinweisen auf den Verkauf von frischem Honig kann man entdecken. Es ist ein bisschen wie im Schlaraffenland bei uns, und damit das auch noch lange so bleibt, wollen wir hoffen, dass ein Vorfall wie jener bei Karrers eine Ausnahme bleibt.
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