Social Media erst ab 16

Von Björn Reinfried ‒ 25. September 2025

Die Küsnachter SVP-Nationalrätin Nina Fehr Düsel hat dem EDI letzte Woche die Petition «Schützt unsere Kinder – Likes sind kein Kinderrecht. Social Media erst ab 16» übergeben. Ist eine Altersbeschränkung für Social Media sinnvoll?

Insgesamt 67’000 Unterschriften übergab der Verein «NextGen4Impact» um SVP-Nationalrätin Nina Fehr Düsel, Angelika Hernandez-Dorendorf und Friederike von Waldenfels vergangenen Donnerstag dem Eidgenössischen Bundesamt für Inneres in Bern. Dicke Post für Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider – und ein Anliegen, das nicht nur Schweizer Eltern beschäftigt.

«Heute gibt es keine griffigen Massnahmen», sagt Nina Fehr Düsel, die sich politisch sehr mit dem Thema Jugendschutz und Soziale Medien beschäftigt. Zwar existiert theoretisch ein Mindestalter von dreizehn Jahren auf Plattformen wie Instagram oder TikTok, doch eine tatsächliche Kontrolle fehlt – denn das Alter kann jeder und jede selbst angeben. So kann man sich mit zwölf problemlos als 18 ausgeben. Das will die Petition mit einer Altersverifizierung ändern.

Das Hauptargument der Petition ist der Kinder- und Jugendschutz. «Problematische Inhalte, die für Kinder und Jugendliche unpassend oder schädlich sind, haben stark zugenommen», sagt Nina Fehr Düsel. «Cybermobbing, Cybergrooming, die Verbreitung von Fake News oder radikalisierendem Content passieren leider oft auf diesen Plattformen.» Die Webseite der Petition führt weitere Gründe für ein Mindestalter auf: Die vielen Stunden, die Jugendliche und Kinder auf den Sozialen Medien verbringen, das sogenannte Doomscrolling, schädige die Konzentrationsfähigkeit. Desweiteren seien Jugendliche anfälliger dafür, ihr Selbstwertgefühl an der Anzahl Likes oder unrealistischen Vorbildern festzumachen – was der psychischen Gesundheit schaden könne. «Selbstverletzung oder Suizid wegen Sozialen Medien ist unter Jugendlichen und Kindern leider nicht selten», sagt die Nationalrätin.

Aus diesen Gründen fordert die Petition die Einführung einer gesetzlichen Altersgrenze sowie einer Altersauthentifizierung, die darüber hinausgeht, dass man nur seinen Jahrgang angeben oder ein «Ich bin 18»-Kästchen anklicken muss. «Die heutigen Kontrollmechanismen sind eine Farce», bemängelt Nina Fehr Düsel. Ausserdem will sie mehr Aufklärungs- und Präventionsarbeit für einen sicheren Umgang mit Sozialen Medien.

e-ID und Verbote?

Wie genau diese Forderungen umgesetzt werden sollen und ob das Social-Media-Verbot bis 16 oder nur bis zum Alter von 13 Jahren gelten soll, lässt Nina Fehr Düsel offen: «Wichtig ist, dass wir überhaupt etwas machen. Sonst hinken wir auch in zehn Jahren noch den Algorithmen hinterher, denn die Plattformen werden kaum von sich selbst aus etwas unternehmen, im Gegenteil: Ihr Ziel ist es, die User möglichst viele Stunden am Tag an sich zu binden.» Sie sieht im Grunde genommen zwei Lösungsansätze: «Man kann die Konzerne hinter den Plattformen in die Pflicht nehmen oder eine zuverlässige, digitale Altersprüfung einführen.» Letzteres liesse sich etwa mit einer e-ID bewerkstelligen.

Eine SVP-Politikerin setzt sich für die e-ID und ein Verbot ein? Die Nationalrätin relativiert. «Die SVP ist zweigeteilt in dieser Frage. Ich bin für die Einführung der e-ID, solange der Datenschutz gewährleistet ist und sie freiwillig bleibt. Das wäre auf jeden Fall ein sehr gutes Mittel für die Altersverifizierung auf den Plattformen.» Auch das Verbot sieht sie hier als notwendiges Übel. «Ich sehe das nicht als reines Verbot, sondern als Einschränkung im Sinne des Jugendschutzes, und da teilen auch viele aus der SVP meine Meinung: Wenn es um den Schutz von Kindern und Jugendlichen geht, braucht es gewisse Einschränkungen – genau wie bei Tabak oder Alkohol.»

Die Sicht der Plattform Jugend und Medien des Bundes

Yvonne Haldimann ist Projektleiterin der Plattform Jugend und Medien, die dem Bundesamt für Sozialversicherungen angegliedert ist. Sie sieht ein Verbot von Sozialen Medien für Kinder und Jugendliche kritisch: «Ein Verbot bis beispielsweise zum Alter von 16 Jahren kann zweierlei Folgen haben: Zum einen könnte es die Eltern ihrer Verantwortung entheben, sich mit dem Thema und der Social-Media-Nutzung ihrer Kinder auseinanderzusetzen. Zum anderen muss man Kinder möglichst früh an das Thema heranführen – nicht erst in einem Alter, in welchem die meisten sich mitten im Ablösungsprozess von den Eltern befinden und eine enge Begleitung kaum noch möglich ist.»

Für die Expertin ist es darum zentral, einen gesunden Umgang mit Medien frühzeitig und altersgerecht zu fördern. Auch die Plattformen selbst würde sie in die Pflicht nehmen wollen: «Die Algorithmen sind darauf ausgelegt, die Nutzerinnen und Nutzer möglichst lange auf der Plattform zu halten. Eine entsprechende Regulierung der Plattformen muss diskutiert werden, weshalb der Bundesrat dazu aktuell eine Vernehmlassungsvorlage vorbereitet. Auch die Aufgabe, die Verbreitung problematischer Inhalte zu verhindern, fällt in die Verantwortung der Plattformen. Aber», sagt Yvonne Haldimann, «Soziale Medien sind nicht einfach nur schlecht oder gut. Es gibt viele Jugendliche, die in ihrem direkten Umfeld keine Gleichgesinnten finden. Sie können sich über Online-Plattformen vernetzen.»

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