Von Küsnachter Bote ‒ 22. Januar 2026

Text: Walther Fuchs
Thomas Klameth prägte in den 1950er-Jahren als Geissenpeter die populäre Schweizer Filmgeschichte. Zugleich blieb sein Leben fest in Küsnacht verankert – in der Schule, auf den Spielplätzen und Wiesen, im FC Küsnacht und im lokalen Gewerbe. Der folgende Beitrag basiert auf einem Gespräch mit Thomas Klameth sowie auf zeitgenössischen Fotoaufnahmen aus verschiedenen Bildarchiven (u. a. Schweizer Illustrierte/Comet Photo AG).
Aufgewachsen ist Thomas Klameth zuerst an der Ränkestrasse, später an der Lärchentobelstrasse – am Rande des Tobels. Den Schulweg beschreibt er als Freiheitsraum: mal allein, mal in kleinen Gruppen, in eigenem Rhythmus. Die Allmend und die Hänge oberhalb des Dorfs waren frühe Tummelplätze, wo gespielt, gerannt und ausprobiert wurde. Die Fotografien der Schweizer Illustrierten (Comet Photo AG) zeigen ihn in verschiedenen Alltagsszenen: beim Füttern der Meerschweinchen, an der Staffelei und – als Hinweis auf eine zweite Konstante seiner Biografie – mit Skiern. «Wir hatten dort an der Ränkestrasse ein sehr grosses Grundstück, mit einer Scheune, Garage und Stall. Oben hindurch war eine Tenne, wo ich die Meerschweinchen gehabt habe – die eines Tages nicht mehr da waren, weil sie vom Fuchs gefressen wurden.»
Die Aufnahme entstand für eine Homestory der Schweizer Illustrierten und trug – neben den Filmerfolgen – zur öffentlichen Wahrnehmung Thomas Klameths und seiner Filmpartnerin Elsbeth Sigmund (Heidi) als frühe Kinderstars der Schweiz bei. «Das war ein Fotograf für die Schweizer Illustrierte. Er hat uns bei verschiedenen Tätigkeiten aufgenommen – Mikadospielen, Meerschweinchenfüttern, Malen an der Staffelei.»
Das Motiv zeigt Thomas Klameth konzentriert in häuslicher Umgebung – eine weitere Szene aus derselben Reportage, die das Bild des jungen Darstellers im Privaten für ein breites Publikum formte. In den 1950er-Jahren spielten und fuhren die Küsnachter Kinder in ihrer Freizeit Ski auf den nahen Hängen des Dorfes – immer dann, wenn genügend Schnee lag. Ganz ohne Skilifte stiegen sie zu Fuss hinauf und fuhren wieder hinunter. Beliebte Orte waren das «Loch» bei der Bergstrasse oberhalb der Garage Künzler und die «Rehweid». «Wir gingen beim Tennisplatz Richtung Osten, wo heute eine Überbauung steht, und auf kleine Hänge wie die ‹Rehweid›. Dort sind wir Ski gefahren.»
Der Drehort der berühmten Echoszene war die Fuorcla Surlej im Oberengadin – mit Blick auf Piz Morteratsch, Piz Bernina, Piz Scerscen und Piz Roseg. Zwischen bemoosten Felsen schimmerte Schmelzwasser; im Schweizer Heidi-Film von 1952 wurde dieser Ort als «Echo-Grat» inszeniert. Der entscheidende Moment für Thomas Klameths Filmkarriere kam zuvor zufällig: Beim Casting, als die Filmleute bereits im Aufbrechen waren, drängte er neugierig nach vorn. Der Kameramann, Emil Berna, bemerkte ihn und sagte zum Regisseur Luigi Comencini: «Das ist der Geissenpeter.» Nach Probeaufnahmen im Zürcher Studio folgte die Besetzung. «Es war affenkalt. Wir wickelten uns in Militärdecken», erinnert sich Thomas Klameth an die Dreharbeiten am Pass. Besonders eindrücklich blieb ihm die Szene, in der das Echo auf Peters Fluchen nicht antwortet. Im Film spricht Heidi davon, das Echo sei «vertäubt» – also zornig gemacht oder verstimmt. Um es zu besänftigen, singen Heidi und Peter anschliessend gemeinsam in die Bergwelt hinaus. Auf Setfotos sind neben Thomas Klameth als Geissenpeter auch Regisseur Luigi Comencini und der Kameramann zu sehen – jener, der ihn entdeckt und empfohlen hatte. Für die Gesangsszenen wurden die Stimmen von Margit Rainer und Stefanie Glaser eingesetzt; begleitet wurde dies von einem Ostschweizer Männerchor.
1954 – im Jahr der Fussball-Weltmeisterschaft in der Schweiz – trat Thomas Klameth dem FC Küsnacht bei. «Ich war total angefressen vom Fussball», sagt er rückblickend. Der Fussball blieb auch später ein zentraler Bestandteil seines Lebens: 1966, während der WM in England, arbeitete Thomas Klameth zeitweise in Bern bei Bigler Sport. Eine Aufnahme zeigt ihn an der Eckfahne – ein Bilddokument seiner aktiven Jahre.
Nach der Handelsmatura begann Thomas Klameth die Sportlehrerausbildung an der ETH. Ein Unfall zwang ihn jedoch zu einer Neuorientierung: Im Haus seines Vaters an der Florastrasse, wo im Erdgeschoss ein Ladenlokal vorgesehen war, eröffnete er das Sportgeschäft «Klameth Sport». Später führte er es gemeinsam mit seiner Frau als Modehaus «Klameth Terzo» weiter. Mit Mut und Unternehmergeist nutzte er die Chancen der goldenen 1960er-und 1970er-Jahre.
Heute blickt Thomas Klameth mit Gelassenheit auf seine Zeit als Geissenpeter zurück. Lange war das Thema ein Tabu, er wollte nach Abschluss der Filme nichts mehr davon wissen. Autogrammwünsche landeten in einer Holzkiste, die er irgendwann entsorgte. Erst mit der Zeit – und mit Unterstützung seiner Frau – konnte er die Distanz überwinden und die Rolle als Teil seiner Identität akzeptieren. Für ihn ist Heimat kein abstraktes Konzept: Er wurde in Küsnacht geboren, ging hier zur Schule, heiratete und arbeitete hier. Bis heute lebt er in der Gemeinde, inzwischen in Bahnhofsnähe. «Ich bin nie weggegangen – ich bin ein richtiger Küsnachter», sagt er.
Sein Rat an junge Menschen, die früh mit Ruhm konfrontiert werden: Sie brauchen Begleitung und jemanden, der sie schützt. Denn er selbst sei – wie er sagt – in die Bekanntheit «hineingerutscht». Heute freut er sich, wenn er auf seine Rolle angesprochen wird: Die Heidi-Filme sind Kulturerbe – und sein eigener Beitrag dazu bleibt unvergessen.
> Auszug aus dem Beitrag von Walther Fuchs im Küsnachter Jahrheft 2026
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