Von Björn Reinfried ‒ 15. Januar 2026

«Ich glaube, ich habe den Aufruf irgendwo auf Facebook gesehen», erinnert sich Linos Mutter Sabrina Good an den Anfang dieser Geschichte. Die Produktionsfirma suchte online nach Kindern für die Besetzung des Films. Lino Good passte genau ins Anforderungsprofil, also meldete die Familie ihn an. «Wir kamen aus den Ferien zurück und haben Lino am letzten Tag der Ausschreibung angemeldet», erzählen seine Eltern. Sie schickten zwei Fotos ihres Sohns, beantworteten ein paar Fragen und warteten ab. «Wir hätten natürlich nie im Traum daran gedacht, dass das tatsächlich etwas werden würde», sagt Sabrina Good und lacht.
Tatsächlich kam Lino Good weiter. Er musste Szenen nachspielen und diese kurzen Filme einschicken, dann folgten erste Castings in einer Schauspielschule in Zürich. Das Auswahlverfahren umfasste sechs Runden, wobei in jeder Runde immer weniger Kandidaten in die weitere Auswahl kamen – Lino hielt sich, Runde um Runde. Die Castings erstreckten sich über einen Zeitraum von ungefähr drei Monaten, in denen die Kinder an einer Schauspielschule mit Coaches und dem Regisseur arbeiteten. An einem dieser Castings kam jemand von der Produktionsfirma auf Lino zu, hielt ihm ein kleines Barry-Plüschtier hin – und ein Drehbuch: «Du bist dabei.»
Die Freude bei der Familie war gross. «Am Anfang konnte ich es gar nicht fassen. Ich habe mich riesig gefreut.», erzählt Lino Good, und seine Mutter ergänzt: «Wir waren mega stolz.» Der junge Küsnachter konnte sich gegen 500 andere Bewerber durchsetzen. Doch damit wurde aus der spontanen Anmeldung Ernst: Sabrina Good musste ihren Sohn vom Gymnasium dispensieren lassen und mit ihm an verschiedene Drehorte fahren. Die Produktionsfirma organisierte die Hotels und die Familie fuhr los.
Die Dreharbeiten dauerten von Ende Februar bis April. Lino verbrachte insgesamt 15 Tage am Set. Die Familie reiste jeweils einen Tag früher an, dann wurde gedreht. «So habe ich etwas von der Welt gesehen», sagt Lino. Mal fuhren sie drei Wochen hintereinander für ein bis zwei Tage nach Brig, mal ins Tessin und am Ende zu den Filmstudios in Köln.
Obschon die Dreharbeiten einen grossen Aufwand für die Familie bedeuteten, freuten sich alle. «Ich habe viel Neues erlebt und die Stimmung am Set war cool», erzählt Lino, der mit den anderen Schauspielerinnen und Schauspielern auch jetzt noch in Kontakt steht. «Manchmal treffen wir uns, das ist immer lustig.»

Lino Good hat bislang zwei Erfahrungen mit Theater oder Film gemacht: ein paar Theaterkurse in den Schulferien und einen Kinofilm auf der grossen Leinwand. Trotzdem ist er sich nicht sicher, ob er einmal Schauspieler werden will. Er könne sich durchaus vorstellen, wieder einmal vor der Kamera zu stehen, aber vielleicht erst nach der Schulzeit: «Mit der Schule war das schon sehr stressig.» Auch auf sein Hobby, das Eishockeyspielen, musste er während der Dreharbeiten wegen der Verletzungsgefahr verzichten. «Es war cool, aber kein Zuckerschlecken.»
Seine Mitschülerinnen und Mitschüler finden es derweil grossartig, dass er in einem Film mitspielt. «Sie hatten viele Fragen – vor allem natürlich, warum ich plötzlich so oft im Unterricht fehle.» Bald schon werden sie den Grund dafür sehen: Lino will mit seiner ganzen Klasse ins Kino gehen.
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