Von Björn Reinfried ‒ 25. September 2025

Zugegeben: Das Radio knistert schon lange nicht mehr, die Frequenz muss man nicht mehr von Hand einstellen und Kinder können ganz anders als nur lachen. Wie ein Radio oder Kinder klingen, das weiss Fabienne Wernly ganz genau, sind es doch zwei ihrer Lebensmittelpunkte. Die 36-jährige Küsnachterin moderiert seit zwölf Jahren (mit Unterbruch) die Morgenshow bei Radio Energy Zürich und ist seit sechs, respektive drei Jahren Mutter zweier Jungs.
«Seit sechs Jahren sind wir jetzt mit der Familie in Küsnacht», erzählt die am Greifensee geborene Moderatorin. Sie lebt mit ihrem Mann Lucio, einem Schreinermeister aus Küsnacht, und den beiden gemeinsamen Kinder in einem Haus mit Garten und Sicht auf den See. «Es ist schon eine mega schöne Gemeinde. Ich fühle mich sehr zuhause hier», sagt sie zu Beginn des Gespräches.
Fabienne Wernly ist glücklich mit ihrem Leben, denn irgendwie hat alles geklappt – ihr Plan ist aufgegangen: «Ich hatte eigentlich immer klare Vorstellungen und Ziele im Leben. Ich wusste ganz genau, wann ich was erreicht haben wollte und wo ich stehen möchte.» Sie wusste schon immer, dass sie Moderatorin im Radio werden wollte und diesen Weg verfolgte sie zielstrebig. Als sie 2013 ein Praktikum bei Energy Zürich absolvierte und der Sender von ihr begeistert war, beschloss sie, das Studium in Journalismus und Organisationskommunikation an der ZHAW an den Nagel zu hängen und stattdessen im Radio zu arbeiten. «Sie meinten zwar, dass sie mich auch noch nach dem Studium einstellen würden, aber ich wollte zu diesem Zeitpunkt genau an diesem Ort sein», erinnert sie sich. «Ich hatte einen Lebensplan», erklärt Fabienne Wernly. «Ich wollte noch vor 30 Kinder haben. Aber wenn ich fertigstudiert hätte, hätte ich nur vier Jahre Zeit gehabt um mich als Moderatorin zu etablieren. Das war für mich zu wenig, und so ging ich direkt in die Medien.» Ein Entscheid, den sie heute nicht mehr nur positiv sieht: «Ich bereue es nicht, aber manchmal wünsche ich mir, ich hätte das Studium abgeschlossen. Eine fundierte Ausbildung ist nie schlecht, und eigentlich ist es immer gut, wenn man sein Studium abschliesst.»
«Emilio!», die Moderatorin wechselt in einem Bruchteil einer Sekunde zur Mutter, «wirf das Magnet nicht rum!» Emilio schaut etwas enttäuscht, die Mutter wird wieder zur Moderatorin. «Mit Kindern ist immer etwas los. Zum Glück haben wir keine Nachbarn direkt unter oder über uns.»
Heute moderiert Fabienne Wernly die Morgensendung bei Energy Zürich – auch das genau der Ort, an dem sie sein will: «Ich bin ein absoluter Morgenmensch. Am Abend habe ich keine Energie mehr.» Das passt, denn wer schon einmal im Radio gearbeitet hat, der weiss, dass Frühschichten um 5 Uhr beginnen. Kein Problem für die Küsnachterin: «Ich finde die Zeit am frühen Morgen die schönste des Tages. Alles erwacht, es wirkt irgendwie mystisch. Und während es im Sommer bereits die ersten Sonnenstrahlen gibt, ist es im Winter noch kalt und dunkel, und da begleite ich die Menschen am Radio in den Tag hinein. Das finde ich magisch.» Dass sie sich lieber mit Positivem und Schönen beschäftigt, ist kein Geheimnis, denn sie moderiert keine Nachrichten-Sendung, sondern eine Morgensendung: «In einer Welt, in der es nur so von negativen Schlagzeilen und News wimmelt, finde ich es wichtig, auch ein Format zu haben, in dem es um Positives geht: Schöne Musik, leichte Themen. Diese positive Energie steckt an und färbt automatisch auf die eigene Stimmung ab.»
«Ich interessiere mich für sehr vieles. Darum ist dieser Beruf wahrscheinlich auch so passend», sagt Fabienne Wernly begeistert. «Ich mache sehr gerne Reportagen – vor kurzem ging ich mit meinem Hund, einem Korb und einer Pilz-App bewaffnet in den Wald und machte eine Reportage übers Pilzsammeln.» Nebst den leichten und unterhaltenden Themen der Morgensendung, findet sie aber auch ernste und schwierige Themen spannend: «Wir haben in der Weihnachtszeit eine Reportage im Kinderspital und im Gefängnis Pöschwies gemacht. Wir haben darüber berichtet, wie unterschiedliche Menschen zur selben Zeit dasselbe Fest feiern – im Spital oder im Gefängnis. Das ging unter die Haut.»
Wenn Fabienne Wernly von ihrem Beruf erzählt – auch am späteren Nachmittag nach einer Frühschicht – merkt man ihre Begeisterung: «Ich war einmal bei Pfarrer Ernst Siebers Pfuusbus auf Reportage oder ging bei einer Nachtschicht der Stadtpolizei im Drogenmilieu mit. Das ist extrem interessant, weil man seine Stadt aus einer ganz anderen Perspektive kennenlernt.»
Genauso wie Fabienne Wernly schon immer wusste, dass sie Radiomoderatorin werden wollte, so wusste sie auch schon immer, wie sie ihr Familienleben gestalten wollte: «Ich wollte mit einem Mann zusammenleben, dem ich auf Augenhöhe begegnen kann, und ich wollte zwei Kinder haben, bevor ich dreissig werde.» Das Familienleben ist nebst dem Beruf ihre zweite grosse Leidenschaft und ihre eigentliche Hauptrolle: «Chönder nöd zum Papi? Ich bin imfall im Interview!»
Als die Corona-Pandemie ausbrach, war ihr erster Sohn geboren, und weil sie nicht wusste, wie gefährlich das Virus war, kündigte sie ihre Stelle. «Das war ein Fehler», rekapituliert sie, denn sie war ganz neu nach Küsnacht gezogen und hatte mit dem Baby alle Hände voll zu tun. Die Folge: «Ich war schon etwas isoliert. Da habe ich gemerkt, wie wichtig es mir ist, mit dem Job ein zweites Standbein zu haben.» Nach der Kündigung bei Energy produzierte sie zusammen mit einer Freundin den Podcast «Two Moms» zum Thema Mutter sein, ehe sie im Januar 2025 wieder beim Sender einstieg.
«Ich habe all meine grössten Ziele erreicht», sagt die Moderatorin, während sie auf der Terrasse ihres Gartens sitzt und die letzten herbstlichen Sonnenstrahlen die Pflanzen in warmes Licht tauchen. «Ich wollte Moderatorin sein, eine glückliche Ehe, zwei Kinder und ein schönes Zuhause haben.»
Einen weiteren Fünf-Jahres-Plan oder Zehn-Jahres-Plan hat sie nicht: «Ich will jetzt nicht mit Töpfern anfangen – dafür fehlt mir sowieso die Zeit – und ich habe auch nicht geplant, mit exakt 50 eine Weltreise zu machen. Im Gegenteil; ich bin im Moment sehr entspannt und geniesse das Leben. Ich finde, Mitte 30 ist die beste Zeit – ich bin angekommen, privat und im Job. Ich bin nicht mehr das junge Küken, ich werde ernstgenommen.» Trotz Frühschicht schaut sie glücklich aus: «Ich find’s eigentlich recht lässig.»
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