Von Daniel J. Schüz ‒ 15. Januar 2026

Das Geraune im Publikum verstummt. Hinter der Kulisse spuckt man sich dreimal über die Schultern: «Toi, toi, toi!» Der dunkelblaue Vorhang schwingt auf und gibt den Blick frei auf die Gaststube im Hotel «Zum Goldenen Dach», das auch schon bessere Zeiten gesehen hat. Einst nippte hier die Bardot am Veuve Cliquot und der Clooney schlürfte seinen Nespresso. Heute treiben Knastbrüder und Mafia-Gangster ihr Unwesen in der heruntergekommenen Spelunke. Sie faseln vom Skelett eines mysteriösen Federico del Medici, der bei lebendigem Leib eingemauert worden sein soll, und ahnen nicht, dass dessen Skelett im Keller gleich neben den Frischback-Brötli vor sich hin modert – seit exakt zweihundert Jahren …
Seit exakt zehn Jahren treiben die Spassvögel vom Laientheater Limberg ihren Schabernack. Jeweils Ende Januar wird oben auf der Bühne gespielt und unten im Publikum gelacht. Klamauk, Kalauer, Schenkelklopfer und tränenfeuchte Augen: So war’s immer schon, so soll’s auch bleiben. Wobei – etwas ist diesmal anders.
Auf dem Limberg wird zur gruseligen «Jagd nach dem Skelett» geblasen – und es geht um mehr als eine Premiere: Es ist der Auftakt zur Jubiläumsvorstellung.
Vor zehn Jahren ging das Ende des Männerchors «Chränzli» einher mit dem Anfang des «Laientheater
Limberg». «Damals», erinnert sich Stefania Schneider, «haben die singenden Männer ihr Programm mit kleinen Theaterstücken ausgebaut; sie suchten und fanden schauspielende Frauen – und so ist aus jener Adhoc-Gruppe ein erstes Ensemble gewachsen, das mit ‹Diamanten im Stroh› bald schon den ersten Schwank inszenierte.» Im Jahr darauf wurde Stefania Schneider zur Präsidentin des Laientheaters Limberg gewählt. Ein weiteres Jahr verging, bis mit Deborah Loosli eine professionelle Schauspielerin und Theaterpädagogin verpflichtet wurde, die fortan Jahr für Jahr – mit Ausnahme des Pandemie-Winters 2021 – einen neuen Schwank auf die Limberg-Bühne brachte.
Mit Herzblut hat das Frauenpower-Duo Schneider-Loosli die ehemalige Adhoc-Gruppe zu einer eingeschworenen Truppe transformiert, die den ganzen Herbst und den halben Winter hindurch mit Rollenstudium und Bühnenproben beschäftigt ist. «Das Lernen der Texte ist Knochenarbeit», weiss Deborah Loosli. «Aber wenn du dich dann vom Papier befreit hast, auf der Bühne stehst und drauflos spielen kannst, kommt Spielfreude auf. Diese Freude ist ansteckend, ich spüre sie auch als Regisseurin und gebe sie weiter.»

«Das ganze Jahr hindurch gibt es Anlässe, die gut organisiert sein wollen», sagt Stefania Schneider, die neben einem Teilzeit-Job am Empfang in der Zumiker Badeanlage Juch mit ihren Theaterpflichten voll ausgelastet ist. Nach den Aufführungen Ende Januar geht es schon bald wieder los: Helferessen organisieren, Raclette-Beiz an der Küsnachter Chilbi planen, ein neues Stück aufgleisen. «Und das Highlight des neuen Jahres ist unsere Jubiläumsreise nach Hamburg.»
Weisses Tischtuch, Silberbesteck, Porzellangeschirr, Kristallgläser. Die Bardot von einst ist jetzt Rita, die Wirtin; Clooney ist Klaus, der Knastbruder – und der hält um ihre Hand an. Verliebte Blicke, Happyend. Vorhang zu. Aber wo ist das Skelett geblieben?
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