Von Dominique Luethi ‒ 16. April 2026

Einmal im Jahr gehört die Seestrasse dem Laufsport. Bei Regenwetter liefen so viele wie noch nie von Zürich entlang des Sees nach Meilen und wieder zurück, mitten durch Küsnacht. Dort standen schon frühmorgens Zuschauerinnen und Zuschauer, hielten Schilder hoch, klatschten und riefen Namen. Neben Angehörigen waren auch Besucher gekommen, die einfach unterstützen wollten.
Küsnacht wurde zu einer Bühne des Sportsgeists. Die besondere Stimmung erlebte auch Liana Vinersan. Die Küsnachterin lief den Halbmarathon schon zum dritten Mal. Zusammen mit einem Freund sei sie locker unterwegs gewesen, habe gar kurze Pausen eingelegt. Da die Strecke an ihrer Wohnung vorbeiführte, gab sie bei einem Stopp nach dem Regen ihre Jacke zu Hause ab. Der Reiz liegt für sie weniger in der Zeit als im Erlebnis. Der Abschnitt durch Küsnacht sei besonders. «Das gibt Motivation, vor allem wenn man müde wird», sagt sie. Genau das macht auch für den Küsnachter Pascal Beurer den Reiz aus. Ihn beeindrucke, wie viele Gleichgesinnte an diesem Anlass zusammenkommen. Läuft er durch Küsnacht, richtet sich sein Blick automatisch ins Publikum, immer wieder entdeckt er bekannte Gesichter. «Man spricht oft noch Wochen später darüber. Das verbindet und motiviert», sagt er. Das Gefühl von Nähe macht auch für die Läuferin Ramona Höhne den Unterschied. Während die Stimmung in der Stadt zwar laut, aber oft anonym sei, fühle es sich in Küsnacht persönlicher, näher und echter an. «Unsere Familie hat sich entlang der Strecke verteilt und uns teilweise sogar mit dem Fahrrad begleitet, um uns weiter vorne noch einmal anzufeuern. Das gibt unglaublich viel Energie.» So fühlte es sich für sie weniger wie ein Wettkampf, sondern mehr wie ein Heimspiel an. Das Gefühl im Ziel beschreiben viele ähnlich: eine Mischung aus Erleichterung, Stolz und ein Moment des Innehaltens. Die Anspannung fällt ab; zurück bleibt das Gefühl, etwas geschafft zu haben.
Bei so einem Lauf sind Müdigkeit und Anstrengung ständige Begleiter, und nicht selten kommen unterwegs Gedanken ans Aufgeben. Doch gerade das Durchhalten verschafft Glücksgefühle. Im Vordergrund steht nicht die Rangliste, sondern das persönliche Ziel. Für Fabian Lips, Projektleiter des Zürich Marathons, ist die Mischung zwischen Herausforderung und Freude entscheidend: «Der Event ist zu einem echten Happening geworden.» Das Gemeinschaftsgefühl sei zentral: «Gemeinsam starten und gemeinsam etwas Aussergewöhnliches erreichen.» Ein Gefühl, das man entlang der Strecke spürt. Beim Höchhus zog eine Live-Band auf einer improvisierten Bühne unzählige Zuschauer an, machte noch mehr Stimmung und verlieh den Läuferinnen und Läufern mit starken Beats zusätzlichen Schub.
Der sportliche Wettkampf ist mehr als ein Lauf. Er verbindet, schafft Erinnerungen und das Gefühl, etwas geleistet zu haben. Die Seestrasse mag nur einen Tag im Jahr den Läuferinnen und Läufern gehören. Die Stimmung aber bleibt allen, die dabei waren, jahrelang unvergessen.
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