Von Dörte Welti ‒ 19. März 2026

Markus Ernst ist ein Ur-Küsnachter. Er ist hier vor 53 Jahren geboren, ging hier in den Kindergarten, die Primarschule und in die Pfadi, «Grille» war sein Pfadiname. Er machte das Gymi in der Stadt Zürich und begann nach dem Militärdienst, Betriebsökonomie zu studieren. «Nicht sehr erfolgreich», sagt er im entspannten Gespräch am Zürichsee und lacht. Stattdessen nahm er ein Praktikum bei der damaligen Schweizerischen Bankgesellschaft SBG auf und studierte anschliessend Betriebsökonomie an der Fachhochschule, holte also berufsbegleitend das Studium nach. Nach verschiedenen Anstellungen in der Industrie, zuletzt als Geschäftsführer einer Glas und Polymer verarbeitenden Firma, baute sich Markus Ernst mit einem Partner eine eigene Firma auf, die in der Systemgastronomie im Ausland tätig ist. Markus Ernst ist Vorsitzender der Geschäftsleitung. Daneben hat er nach und nach diverse Verwaltungsratsmandate angenommen, ist Mitglied in Stiftungsräten und Vorstand in drei Vereinen (die gesamte Liste seiner Interessenbindungen steht ordnungsgemäss auf der Website der Gemeinde).
Ein Leben für Business und Gesellschaft – wann wurde er politisiert? «Mein Vater war schon politisch aktiv», erinnert sich der Gemeindepräsident. «Er war Kassier bei der FDP und so habe ich schon als Kind die Partei kennengelernt. Als ich das Stimmrechtsalter erreichte, wurde ich Mitglied bei den Jungfreisinnigen.» Den aktiven Einstieg in die kommunale Politik suchte Markus Ernst, als er nach einem Jahr Militäreinsatz im Kosovo zurück in die Heimat kam. «Das war damals allerdings Zumikon», erzählt Markus Ernst von der einzigen kurzen Phase in seinem Leben, in der er nicht in Küsnacht gewohnt hat. Wenn Politik, dann dort, wo er verwurzelt war, und so zog er für eine Kandidatur für den Gemeinderat zurück nach Küsnacht. Vor zwanzig Jahren hielt er Einzug in den Gemeinderat und übernahm das Ressort Tiefbau. Was hat sich in den zwei Jahrzehnten verändert? «Grundsätzlich war die Veränderung nicht riesig», erklärt Markus Ernst. «Die Erwartungshaltungen in der Gemeinde waren auch damals schon hoch, und Tiefbau ist ein Amt, in dem man doch recht exponiert ist.» Das Ressort habe viele Themen, die die Bürgerinnen und Bürger bewegten, Parkplätze zum Beispiel, Lichtsignale, Baustellen. Dennoch wehe der Wind heute stärker als früher: «Der politische Stil hat sich in den letzten Jahren nicht unbedingt zum Besseren verändert. Heute scheint es manchmal so, als ob Opposition um der Opposition willen betrieben wird.» Dass er jetzt so entspannt dasitze, habe auch damit zu tun, dass er froh sei, dass die Wahlen jetzt endlich vorbei seien. in der Politik würde oft auf die Person gespielt. Jetzt könne man sich als Gemeinderat wieder auf das Inhaltliche konzentrieren.
Das Inhaltliche – was wäre das für die kommende Legislaturperiode? «Die Schwerpunkte für die neue Legislatur wird der Gesamtgemeinderat in neuer Zusammensetzung erarbeiten – dies gestützt auf die ‹Vision 2044›», konstatiert Markus Ernst. Daneben gelte es, die zahlreichen bereits laufenden grösseren Projekte voranzutreiben. Die da wären: der Bau der Dreifachturnhalle, die Sanierung des Schulhauses Itschnach und des Gemeindehauses sowie die Überbauung des Parkplatzes Alte Landstrasse. Dazu komme die Umsetzung der neuen Immobilienstrategie. Überschlägt man seine Aufgaben, hat der Gemeindepräsident auf dem Papier ein 60-Prozent-Pensum, führt daneben seine eigene Firma, hat zahlreiche Mandate, ist Mitglied des Leitenden Ausschusses des Gemeindepräsidentenverbandes und engagiert sich in Vereinen. Insgesamt kommt er so sicher auf mehr als hundert Prozent Beschäftigung. Um das zu schaffen, hält er sich mit Joggen auf dem Pfannenstiel fit und findet Ausgleich und Energie auf dem Wasser. Schwer vorzustellen, dass es neben all dem auch noch ein Familienleben gibt: Markus Ernst ist seit vier Jahren glücklich in einer Beziehung. Seine Partnerin habe ihn in der aktuellen Situation kennengelernt, ist die Antwort auf die Frage nach seiner Work-Life-Balance.
Es ist die vierte Amtsperiode als Gemeindepräsident, die Markus Ernst ab Juli antreten wird, die sechste Legislaturperiode insgesamt im Gemeinderat. Da darf man sich als Aussenstehende schon fragen, ob das jetzt die letzten vier Jahre sein werden oder ob der Politiker noch höhere Ambitionen hat und eventuell in die kantonale oder nationale Politik strebt. «Eine Woche nach der Wahl ist der falsche Zeitpunkt, um sich das zu fragen», weist er die Frage von sich. «Im Moment spüre ich keine Amtsmüdigkeit, sonst hätte ich jetzt nicht noch mal antreten dürfen. Ich bin begeisterter Exekutivpolitiker, ich hätte schon ein paar Mal Gelegenheit gehabt, für den Kantonsrat zu kandidieren, aber das reizt mich nicht.» Es gibt aber noch etwas, wofür er brennt: das Militär. Markus Ernst ist Brigadier und damit aktiv im Militärdienst. «Es ist eine ganz eigene, aber auf ihre Art dankbare Welt», sinniert der Höhere Stabsoffizier. «Ich arbeite dort mit Leuten zusammen, die sich auch mit Überzeugung für die Sicherheit unseres Landes einsetzen.»
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