Von Björn Reinfried ‒ 19. März 2026

«Ja, der Grillabend ist ein Versprechen.» Oliver Wulkan lacht über die Frage, ob seine Aussage vom Wahlkarussell noch gelte, den Gemeinderat im Falle eines Wahlsieges zu sich auf eine Wurst einzuladen. Vielleicht lädt er seine künftigen Amtskolleginnen und Amtskollegen sogar schon vor seinem Antritt ein: «Das ist eine schöne Gelegenheit, sich besser kennenzulernen.» Allgemein ist es ihm wichtig, ein gutes Team im Gemeinderat zu haben: «Wir müssen nicht derselben politischen Meinung sein, aber idealerweise verstehen wir uns auf persönlicher Ebene oder respektieren uns.» Oliver Wulkan will einen offenen, transparenten Kommunikationsstil im Gemeinderat fördern: «In der Sache hart diskutieren, aber sich nach der Sitzung auch mal auf eigene Kosten zusammen zum Abendessen oder auf einen Drink treffen.»
Teamgeist liegt dem angehenden Gemeindepräsidenten am Herzen. Er versteht seine Rolle als Moderator oder Vermittler, der die Voraussetzungen für eine gute Zusammenarbeit schafft: «Der Gemeinderat soll ein schlagkräftiges und funktionsfähiges Team sein.» Er möchte nicht in die Vergangenheit schauen, das sei nicht seine Art, aber: «Es gibt ein gewisses Potenzial in der Gemeindeverwaltung, damit die Mitarbeitenden noch motivierter sind, bei uns zu arbeiten.» Sein Ziel ist es, dass die Gemeindeverwaltung zum Ende der kommenden Legislatur einen so guten Ruf als Arbeitgeberin hat, dass sie problemlos Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt findet: «Es wäre schön, wenn die Mitarbeitenden auch ein bisschen stolz auf ihre Arbeit in Erlenbach sein könnten.» Dafür bedürfe es einer positiven und partnerschaftlichen Führungskultur, in der sich Mitarbeitende wohl fühlen und sich persönlich sowie fachlich entfalten können: «Die Verwaltung soll ein Ort sein, an dem es Spass macht, gemeinsam Projekte anzupacken.»
Er selbst, Mitglied der Mitte, verfolge auf Gemeindeebene keine parteipolitischen Ziele: «Wir brauchen fachliche und politische Diversität. Ich selbst nehme mir diesbezüglich ebenfalls die nötige Freiheit.»
Ein gutes Team und eine motivierte Verwaltung sind für Oliver Wulkan auch wegen seiner politischen Ziele wichtig. Nur so liessen sich grosse Projekte realisieren. Erlenbach besitzt ein grosses Liegenschaftsportfolio – sowohl im Verwaltungsvermögen als auch im Finanzvermögen. Darunter befinden sich mehrere Liegenschaften mit dringendem Sanierungsbedarf. Das grösste Projekt ist für Oliver Wulkan die Erneuerung des Erlibacherhofs.
Auch das Entwicklungskonzept für den Schulcampus will er vorantreiben: «Ich möchte eine moderne Infrastruktur, die zukunftsgerichtetes Lernen und neue Lernmethoden zulässt.» Die sanierungsbedürftige Turnhalle Allmendli steht ebenfalls auf seiner To-Do-Liste, und auch das Pavillon-Provisorium werde früher oder später ersetzt werden müssen. Für die Betreuungsinfrastruktur – Tagesstrukturen und Verpflegung über den Mittag – möchte er das Raumproblem lösen und mehr Platz schaffen.
Doch damit nicht genug. «Die Badi Winkel muss saniert oder erneuert werden, das Pöstli befindet sich aktuell in der Restaurierung, und auch das Projekt Schifflände wird bald umgesetzt.» Die Liste der Bauprojekte ist lang. «Das geht nur schrittweise und nicht parallel», sagt Oliver Wulkan, «und dafür brauchen wir eben die entsprechende Manpower in der Verwaltung».
Erlenbach müsse sich sichtbar verändern. «Die Bevölkerung soll sehen, dass es vorwärts geht und wir nicht nur ewig diskutieren.» Er will aktiv dazu beitragen, dass Erlenbach noch attraktiver wird und schöne Verweilorte und Treffpunkte entstehen, an denen die Erlenbacherinnen und Erlenbacher gerne zusammenkommen und sich austauschen: «Das sorgt für einen besseren Zusammenhalt und eine gute Stimmung im Dorf.»
Dass der strukturelle Wandel hin zum Onlinehandel kleine Detailhändler aussterben lässt, ist Oliver Wulkan bewusst. Trotzdem glaubt er daran, dass sich der Dorfkern rund um die Bahnhofstrasse beleben lässt: «Dienstleister, Geschäfte, innovative Ideen und Nischen funktionieren auch heute noch gut an solchen stärker frequentierten Orten.» Die Gemeinde könne zwar nichts gegen den Strukturwandel unternehmen, aber wenigstens gewisse Zielvorgaben machen und Rahmenbedingungen so festlegen, dass eben diese Ziele erreicht werden können.
«Die Mitwirkung der Bevölkerung ist mir sehr wichtig», sagt Oliver Wulkan. «Wir müssen Wünsche und Anregungen aus der Bevölkerung ernst nehmen.» Es sei ihm bewusst, dass nicht für jedes Projekt ein Diskussionsabend einberufen werden könne: «Wichtig und sinnvoll ist es, von Anfang an die Möglichkeiten eines Projekts aufzuzeigen und dann eine gewisse Auswahl an Varianten vorzustellen.»
Um die Bevölkerung miteinzubeziehen, seien auch die Parteien gefordert: «Es gibt in Erlenbach eine intakte Parteienlandschaft und viele Vereine. Über diese Kanäle kann man viel Feedback aus der Bevölkerung abholen.» Oliver Wulkan beschreibt sich als gut vernetzt in alle Richtungen – nicht zuletzt wegen seines Wahlkampfs, in dem er viele Kontakte knüpfen konnte: «Ich glaube, ich bin sehr nahe am Puls der Bevölkerung. Dadurch gelangt Feedback schnell zu mir.» Er möchte unterschiedliche Meinungen und allfällige Unzufriedenheiten in der Bevölkerung ernst nehmen.
Oliver Wulkan möchte als Gemeindepräsident die Kooperation zu den Nachbargemeinden weiter stärken, um dank Synergien in Erlenbach auch Angebote offerieren zu können, die es hier nicht gibt. Dafür will er über die Gemeindegrenzen hinaus gute Beziehungen pflegen: «Von Zollikon über Küsnacht bis Herrliberg und Meilen: Erlenbach soll eine positive, partnerschaftliche Kooperation bieten.»
«Meine Kinder sind jetzt 15 und 17. Es ist äusserst fraglich, ob sie es sich jemals werden leisten können, in Erlenbach zu leben.» Die Goldküste habe exorbitant hohe Grundstückspreise und dadurch sehr hohe Kauf- und Mietpreise. «Das führt zu Verknappung von Wohnraum – die breite Bevölkerungsschicht kann sich das nicht mehr leisten.» Auch Erlenbach sei für immer mehr Menschen unerschwinglich. «Für ein Dorf ist es aber wichtig, dass es eine gesunde Durchmischung gibt und dass wir nicht zu einem Ort werden, in dem sich nur noch sehr Vermögende Wohnraum leisten können – denn für ein intaktes Dorfleben braucht es Menschen in Vereinen oder der Feuerwehr.» Deshalb will er sich für mehr bezahlbaren Wohnraum einsetzen – mit Hilfe von Baugenossenschaften und gemeindeeigene Wohnungen.
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