Mehr Raum für Begegnungen im «Flüügepilz»

Von Dominique Luethi ‒ 26. März 2026

Ein Ort, an dem Kinder spielen, Eltern sich austauschen und Geburtstage gefeiert werden: Das Familienzentrum Flüügepilz in Erlenbach ist nicht nur ein beliebter Treffpunkt, sondern zu einem festen Bestandteil im Leben vieler Familien geworden. Nun reagiert die Gemeinde auf die steigende Nachfrage und erhöht ihre finanzielle Unterstützung.

Während die Kinder spielen, kommen Eltern im «Flüügepilz» ins ­Gespräch. (Bild: dwe)
Während die Kinder spielen, kommen Eltern im «Flüügepilz» ins ­Gespräch. (Bild: dwe)

Kinder spielen auf dem Boden, irgendwo wird gelacht, daneben tauschen sich Eltern über den Alltag aus – solche Momente erlebten 2025 rund 150 Familien im Familienzentrum Flüügepilz. Das Angebot besteht unter anderem aus Spielgruppen, einem Familiencafé, Yogakursen und verschiedenen Beratungsangeboten. Seit der Eröffnung 2013 ist die Nachfrage stetig gestiegen. Damals wurde zwischen dem ­Familienclub Erlenbach und der Gemeinde Erlenbach eine Defizitgarantie von 100 000 Franken vereinbart. Dabei handelt es sich um eine verbindliche Zusage eines Maximalbetrags, der dann zum Zug kommt, wenn die Einnahmen die Ausgaben nicht decken. Dieser Betrag wurde nun rückwirkend auf den 1. Januar 2026 um 50 000 Franken erhöht. Damit kann unter anderem das beliebte Familiencafé neu an fünf halben Tagen pro Woche geöffnet werden.

Wichtig für das Dorfleben

Gemäss Kerstin Lee, Leiterin des Familienzentrums, erfüllt das Zentrum eine wichtige Funktion im Dorfleben. «Ein solches Angebot ist aus einer modernen, zukunftsorientierten Gemeinde nicht mehr wegzudenken, da das Familienzentrum einen zentralen Beitrag zur frühen Förderung, sozialen Integration und Entlastung von Familien leistet.» Ein Begegnungs- und Beratungsort sei nicht nur wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, sondern erhöhe auch die Attraktivität einer Gemeinde. «Das Bedürfnis nach Angeboten zur Begegnung und zum gegenseitigen Austausch ist gestiegen», so Kerstin Lee. Bei einem Besuch erhalten Eltern nicht nur Beratung und Informationen zu Veranstaltungen. Gerade für Menschen, die noch nicht lange in der Gemeinde wohnen, ist das Angebot wertvoll, um Kontakte zu knüpfen. Genutzt wird das Zentrum auch von Familien ausserhalb Erlenbachs. «Da die verschiedenen Zentren im Bezirk Meilen zudem darauf achten, ein Überangebot zu vermeiden und einander ergänzend ihre Angebote konzipieren, dürfen wir regelmässig auch gemeindeexterne Gäste begrüssen.»

Neue Bedürfnisse

Lediglich die Coronapandemie führte vorübergehend zu Einbrüchen bei den Besucherzahlen. Seither zeigt sich eine interessante Verschiebung der Bedürfnisse: «Waren vor Corona Präsenzveranstaltungen in den Bereichen Bildung und Beratung stark nachgefragt, so erfuhren diese danach einen leichten Rückgang», erzählt Kerstin Lee. Viele Familien wichen in dieser Zeit auf Onlineangebote aus. Gleichzeitig stieg das Bedürfnis nach Begegnungen und gegenseitigem Austausch. Besonders gefragt sind heute Beratungen und Gespräche mit Fachpersonen vor Ort. Auffällig: Der Geburtenrückgang hat kaum Auswirkungen auf die Besucherzahlen: «Nach wie vor finden sich viele Familien gerne und wiederholt im Familienzentrum ein.» Als beliebtestes Angebot gilt das Familiencafé. «Es handelt sich hierbei um einen kindgerecht eingerichteten Raum der während der Öffnungszeiten zum Spielen, Erkunden und erstem Lernen einlädt», erklärt Kerstin Lee. Dabei geht es auch hier um Begegnungen: Während die Kinder miteinander spielen, können sich Eltern und Betreuungspersonen austauschen und vernetzen. Wird dieses Angebot zukünftig für ältere Kinder und deren Eltern erweitert werden? «Immer wieder zeigt sich zudem, dass sich der Bedarf an Austausch, Vernetzung und Beratung mit dem Eintritt der Kinder in die Schule nicht einfach in Luft auflöst», verrät Kerstin Lee.

Warum mehr Budget?

Die Erhöhung der Defizitgarantie spiegelt einerseits die wachsende Bedeutung des Angebots wider, zeigt andererseits aber auch eine zunehmende finanzielle Abhängigkeit von der Gemeinde. Als Grund dafür nennt Kerstin Lee unter anderem die Auswirkung der Pandemie: «Das Familiencafé musste in die Räumlichkeiten der ehemaligen Bibliothek umziehen, was zu höheren Mietkosten führte.» Gleichzeitig sorgt die grosse Nachfrage für steigende Personal- und Planungskosten. Ein Betrieb dieser Art lässt sich nicht ohne qualifiziertes Personal betreiben. Das Zentrum wird von einer pädagogischen Fachkraft mit einem Pensum von 50 Prozent geleitet. Zusätzlich sind Mitarbeitende im Stundenlohn angestellt, die das Café betreuen und für die Reinigung der Räumlichkeiten zuständig sind. Warum das Familienzentrum nicht von der Gemeinde selbst betrieben wird, hat gemäss der Gemeinde Erlenbach einen einfachen Grund: Der Familienclub führt seit über zwölf Jahren erfolgreich die Geschäftsleitung, und die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut. Entsprechend besteht derzeit kein Anlass, an dieser Vereinbarung etwas zu ändern.

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