Zukunftslösung für das Raumproblem der Kanti

Von Dörte Welti ‒ 9. April 2026

Der definitive Mietvertrag steht noch aus, aber es gilt als sicher, dass die Kantonsschule Küsnacht bald externe Räumlichkeiten für 168 Schüler beziehen kann. Standort: die ehemalige ZKB in der Oberen Wiltisgasse 48.

Soll bald eine Schuleinheit für 168 Schülerinnen und Schüler werden: Das Erdgeschoss des Gebäudes auf dem Areal Ernst, in dem jetzt noch eine Bank residiert. (Bild: dwe)
Soll bald eine Schuleinheit für 168 Schülerinnen und Schüler werden: Das Erdgeschoss des Gebäudes auf dem Areal Ernst, in dem jetzt noch eine Bank residiert. (Bild: dwe)

Die Prognose, wie hoch die Zahl der Schülerinnen und Schüler im Kanton Zürich jeweils sein könnte, wird von der Fachstelle für Schulraumplanung jährlich aktualisiert. Die notwendigen Bauten für mehr Schüler muss man allerdings langfristiger planen. Dem Schulraumbedarf der Mittelschulen im Kanton Zürich liegt eine Berechnung zugrunde, die besagt, dass die Zahl der Schülerinnen und Schüler bis 2030 steigen wird, danach soll sie abflachen. Für Küsnacht sind das zwar relevante Zahlen, aber Corinne Elsener, Rektorin der Kanti seit dem Schuljahr 2020/2021, weiss: «Der Druck hier in Küsnacht ist höher als an anderen Orten, hier wird auch auf längere Sicht zusätzlicher Schulraum benötigt.» Ein Grund: Küsnacht ziehe mehr Familien mit Kindern an, die ein Gymnasium besuchen sollen/wollen, als andere Gemeinden.

Evaluation der Möglichkeiten

Als Corinne Elsener ihre Position in Küsnacht antrat, zählte die Kantonsschule 568 Jugendliche. Stand heute sind es 604 Schülerinnen und Schüler, und im kommenden Schuljahr wird die Kanti um eine weitere Klasse anwachsen. Mit mehreren Machbarkeitsstudien wurden verschiedene Szenarien geprüft, um mehr Klassenzimmer und Räume zu generieren. Ein Szenario war die Erhöhung des bestehenden Klassentrakts. Die Idee wurde aus technischen Gründen als problematisch eingestuft, weil die bestehende Infrastruktur auf genau die jetzige Grösse und Anzahl Schülerinnen und Schüler ausgelegt ist, eine Erweiterung ist aufwendig. Ausserdem gab es schon vor 20 Jahren, als der Bau entstand, Einsprachen gegen den Neubau, weil er das Ortsbild veränderte. Bei einem höheren Bau wäre mit weiteren zu rechnen. Das «Killer­-argument» aber war, dass das Gebäude eineinhalb Jahre nicht nutzbar gewesen wäre, es wäre also ein neues Raumproblem, wenn auch nur ein temporäres, aufgetaucht.
Eine andere Idee skizzierte ein separates neues Gebäude im Schulgarten zwischen Bahngleisen und Bach. Der Standort birgt aber zu viele Einschränkungen und hätte auch in der Dimension nicht ausgereicht. Die Container auf dem Schulhausareal, die auf Beginn des Schuljahrs 2025/26 angemietet worden sind, bieten eine befristete Übergangslösung.

Lösung: Raum zur Miete

Die verbleibende Option war Zumietung. Corinne Elsener machte sich auf die Suche und fragte bei allen nach, die grössere Liegenschaften in der Nähe der Kantonsschule besitzen. 2023 half der Zufall: «Über Homegate bin ich auf die Liegenschaft im Areal Ernst gestossen.» Es bedurfte gewisser Überzeugungsarbeit, dass die Eigentümerschaft die Vermietung an die Kantonsschule überhaupt in Betracht zog. Wichtiges Kriterium: Die Möglichkeit eines separaten Zugangs zum Areal. Stand heute ist man mit dem Besitzer noch am Verhandeln der letzten Details des Mietvertrages. Umgebaut werden muss dann natürlich, derzeit befindet sich in den Räumen noch eine Bank. Für die Neugestaltung wurde ein Projektwettbewerb ausgeschrieben, den das Team Arge Holzhausen Zweifel Architekten GmbH und ­Ziörjen Baumanagement GmbH gewann. Ihre Vision beinhaltet viel Re-use; also das verwenden, was schon gegeben ist. Vorteilhaft ist die Höhe des zentralen Raumes mit Oberlichtern, der in eine Creative Hall umgewandelt werden soll. «Das bietet uns einen grosszügigen Aufenthalts- und Lernbereich für moderne und flexible Nutzung», erklärt Corinne Elsener. Es entstehen zum Beispiel Zonen, die durch Vorhänge in kleinere abgetrennt werden können, wenn nötig. Vier Standard-Unterrichtszimmer sollen statt der Büroräume Einzug finden, für jeweils 28 Schüler. Der gesamte Komplex wird 168 Schülerinnen und Schüler aufnehmen können.

Beliebte Kantonsschule – bis über den See

Wenn alles nach Plan läuft, wird die erdgeschossige, barrierefrei zugängliche Einheit mit dem Schuljahr 2027/2028 ihren Betrieb aufnehmen. Die Container auf dem Schulhausareal können dann zurückgebaut werden. Behält die Rektorin recht, wird sich die Schülerzahl in Küsnacht stetig weiter erhöhen, ungeachtet der Prognosen des Kantons. Küsnacht ist als Wohn- und Schulort beliebt. Ein weiterer Aspekt ist, dass das geplante Grossprojekt Kantonsschule auf dem ehemaligen Areal der chemischen Fabrik in Uetikon am See noch Jahre brauchen wird bis zur Eröffnung (derzeit angepeilt: 2032). Das Einzugsgebiet der Kantonsschule Küsnacht reicht weit über die Gemeindegrenzen hinaus. Dass Schülerinnen und Schüler einen langen Schulweg haben, ist keine Seltenheit, sie kommen von der ganzen Goldküste, aber auch von der anderen Seeseite. Der Schulbeginn in der Kanti richtet sich deswegen nach der Ankunftszeit des Kursschiffs aus Thalwil, mit dem Jugendliche vom linken Seeufer und sogar vom Hirzel her nach Küsnacht kommen.

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