Von Dörte Welti ‒ 7. Mai 2026

Kurz nach Türöffnung im Gemeindehaus seien sie gekommen, die Profis, berichteten die Helferinnen und Helfer am Flohmarkt. Das sei schon immer so gewesen, aber diesmal sei etwas auffällig gewesen: Es habe gezielt Händler gegeben, die ausschliesslich auf Silbersuche waren oder nur Schmuck oder Geschirr erstehen wollten. Für den Sinn und Zweck des Flohmarkts spielt es keine grosse Rolle, wer kauft, geht doch der gesamte Reinerlös nach Abzug der festen Kosten an drei Hilfswerke und Institutionen (Herzensbilder, Kovive und Indicamino). Für all jene, die später am Samstag oder am Sonntag zum Stöbern kamen, war immer noch genug Schönes, Aussergewöhnliches und Überraschendes da, echte Schnäppchen, die man stolz nach Hause tragen konnte. Eine Chagall-Lithographie zum Beispiel, ein handbemaltes antikes Milchkännchen, Tiffany-Lampen oder antike Eisenwaren, die vor einem Jahrhundert auf den umliegenden Bauernhöfen in Gebrauch waren.
Die eigentliche Sensation aber sind die Helfer. Wenn der Flohmarkt stattfindet, ist das Brockenhaus in Küsnacht geschlossen, man konkurrenziert sich nicht. Im Gegenteil: Alle, die auch im Brocki engagiert sind, helfen hier. Das geht schon eine Woche vor dem Verkaufswochenende los. Die Waren werden bis zu einem festgesetzten Termin im Kirchgemeindehaus abgegeben. Sie müssen dann ausgepackt und sortiert werden. Das Silber wird geputzt, damit es in herrlichem Glanz erstrahlt, ebenso die Gläser und Vasen, die gewaschen, bei Bedarf entkalkt und poliert werden. Bilder werden kuratiert aufgehängt, Bücher nach Themen und teilweise nach Alphabet sortiert, der Schmuck drapiert, die Kleider aufgehängt, das Spielzeug arrangiert.
Die Helfer des Brockenhauses sind Fachleute, die sich auskennen und einen echten von einem falschen Chagall unterscheiden können. Sie kennen die Stempel und Signaturen auf Geschirr, welche Punzen echtes Edelmetall angeben oder auf Legierungen schliessen lassen. Einige Helferinnen und Helfer machen das schon seit Jahrzehnten unermüdlich, andere sind neu und werden von den Erfahrenen angeleitet. Alle hatten gute Laune, erklärten geduldig die Besonderheiten, fachsimpelten mit den potenziellen Käuferinnen und Käufern. Gefühlt waren dieses Jahr weniger Besucherinnen und Besucher unterwegs als sonst. Ein Grund war sicher, dass es durch den 1.-Mai-Feiertag ein langes Wochenende gab und viele Küsnachterinnen und Küsnachter ausgeflogen waren. Ausserdem fand zum ersten Mal nach Jahren wieder der Flohmarkt am Bürkliplatz statt, da hatten leidenschaftliche Flohmärtgänger die Qual der Wahl. Im letzten Jahr kamen am Flohmarkt der reformierten Kirche 30 000 Franken für den guten Zweck zusammen. Ob man sich auch diesmal über einen so grossen Betrag freuen kann, wird man Ende Monat wissen, wenn alles abgerechnet ist.
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