Von Dörte Welti ‒ 11. September 2025

Es ist der Organisation der Kulturellen Vereinigung Küsnacht zu verdanken, dass die Dorfbewohner vergangene Freitagnacht zu einem seltenen Erlebnis kamen. Die Starttöne schallten vom Kirchturm der Reformierten Kirche Küsnacht herunter. Vier kraftvolle Bläser hatten die schwindelerregend steilen Treppen bis hinauf in den Glockenturm erklommen, sich dort mit ihren Instrumenten auf engstem Raum parat gemacht und spielten nach dem Verklingen des letzten Glockenschlages um kurz nach halb Fünf Uhr ihr knapp 14-minütiges Programm. Und ja, man muss sich da oben die Ohren zuhalten, wenn die Glocke die Viertelstunden schlägt, nichts für schwache Gehörgänge. Die Menge, die sich unten auf dem Dorfplatz versammelt hatte, kam in den Genuss von Barock- und Renaissance-Stücken, das fulminante Schlussstück hiess «Prince of Denmark’s March» und stammt von dem englischen Komponisten Jeremiah Clarke aus dem Jahr 1669. Christian Meier und Roland Hofer an den Trompeten, sowie Christoph Collet an der Tenor- und Reto Kappeler an der Bassposaune – zusammen bilden sie das Quartett «Fanfare Terrible» – verstanden es aber, diesen historischen Stoff lässig und modern in den Küsnachter Himmel zu posaunen.
Anschliessend hatte man die Qual der Wahl, jede Stunde gab es in fast allen der 21 Eventlocations ein neues Highlight. Wir schafften es nach dem Auftakt knapp an das Livekonzert der fünf Mundartrocker von «Xotnix», die, angeführt von Sänger – und Zumiker Gemeindeschreiber – Thomas Kauflin, das Katholische Pfarreizentrum einheizten. Auf der anderen Seite der Bahngleise konnte man das Kammerorchester der Kantonsschule in der Italienischen Villa derselben geniessen. Hier war die ganze Nacht die Ukraine das Thema. Mit Apéro Riche aus ukrainischen Köstlichkeiten, Volkstänzen des Landes und gesungenen Liedern. Kam man auf dem Weg in die Dorfmitte am Kirchgemeindehaus der reformierten Kirche vorbei, konnte man in Dauerschleife das Kammerorchester Männedorf-Küsnacht erleben, entweder beim Einstimmen oder bei einem der drei Konzerte. Ein weiterer Höhepunkt des Abends am selben Ort war das Konzert «Helvetia meets Caledonia», bei dem die schottische Zurich Caledonian Pipe Band und die Harmonie Eintracht Küsnacht den bis auf den letzten Platz gefüllten Saal bis Sonnenuntergang fast zum Bersten brachten
Wir können hier nicht jede einzelne Award-verdächtige Show nennen, es war physisch nicht möglich, jede ausgiebig zu geniessen. Dafür aber die Stimmung – und die war einmalig. Kulturbegeisterte schlenderten durchs Dorf, es gab Foodtrucks, wo man sich für den nächsten Gig stärken konnte, Getränke auf der Gasse. Die Besucher waren sich einig und schwärmten von einem reichhaltigen und eindrucksvollen Programm, das in seiner Ausgewogenheit überzeugte.
An die Kleinen hatte man im Organisationskomitee auch gedacht. Für Kinder und Familien gab es gleich zwei Highlights: den Kinderchor der Musikschule, der mit seinem vielseitigen Repertoire begeisterte, und «S’Tobel», das die jüngsten Gäste mit einer quirligen und unterhaltsamen Geschichte verzauberte. Der Jodlerchor «Bergbrünneli» überzeugte mit virtuosen Darbietungen, während das «Saxtett» im Salzsilo ein besonderes Ambiente schuf: Die erstaunlich gute Akustik des Ortes unterstrich die poppigen und jazzigen Klänge. Auch das Konzert mit Florian Fox in der reformierten Kirche war ein voller Erfolg – perfekt abgerundet durch die einführenden Worte von Pfarrer Andrea Bianca.
Wer bis zum Schluss durchhielt, konnte ab 23 Uhr das fulminante Finale am Küsnachter Horn erleben: ein atemberaubendes musikalisches Wasser-Licht-Feuerwerk, das Künstler und Zuschauer gleichermassen begeisterte und von dem grossartigen Kulturangebot «geflasht» zurückliess.
Besonders erfreulich: In einer zunehmend digitalen Welt fand das physische, nahbare und kulturstarke Angebot grossen Anklang und zeigte, wie sehr lebendige Kultur verbindet. Das Fazit der Organisatoren fiel entsprechend positiv aus. Das OK berichtet auf Anfrage: «Toll war, dass sehr viele Menschen aus Küsnacht und der Umgebung den Anlass auf irgendeine Art und Weise mitgestaltet haben bzw. daran beteiligt waren. Rund 250 Künstlerinnen und Künstler, zahlreiche Helferinnen und Helfer hinter der Bühne, Sponsoren und Dienstleister – quasi eine Veranstaltung von allen für alle. Und was uns extrem gefreut hat: Kein ‹Littering› weit und breit, und der Anlass verlief sehr harmonisch und ohne Zwischenfälle.»















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