Von Dörte Welti ‒ 2. April 2026

Osterhasen aus Holz oder Karton, Hasen auf Papiertüten, Hühner aus Stoff und Dekoartikel mit Eimotiven – all das entsteht derzeit im Atelier des Freihof Küsnacht. Handwerklich geschickte Frauen und Männer, die sich auf dem Weg in ein neues, selbstständiges Leben befinden, sind seit Wochen damit beschäftigt, die Produkte von Hand zu fertigen, jedes ein Unikat. Als wir einen Blick in die Werkstatt werfen dürfen, sind zwei Frauen konzentriert am Schaffen. Eine macht Zuschneidearbeiten, die andere sitzt an der Nähmaschine und bringt gerade ein Huhn in Form. Flink geht das, und sehr genau arbeitet sie, um die Hülle zusammenzunähen, zu dekorieren und anschliessend mit Füllmaterial zu stopfen.
Der Freihof Küsnacht ist eine sozialtherapeutische Institution mit Angeboten der Arbeitsintegration und Beschäftigung. Seit seiner Gründung 1979 verfolgt der Verein das Ziel, Menschen mit unterschiedlichen Belastungen einen Ort der Stabilität, der Förderung und des Neubeginns zu geben. Hier greifen Therapie, Arbeit und Alltag ineinander – das eine stärkt das andere. Durch dieses Zusammenspiel entsteht ein Umfeld, in dem Entwicklung möglich wird: Schritt für Schritt Verantwortung übernehmen, Vertrauen aufbauen, wieder Halt finden. Dazu gehören auch stationäre Wohnplätze, die den Menschen eine klare Tagesstruktur bieten. Die Arbeit im Kreativatelier und in den verschiedenen Werkstattbetrieben – etwa in der Schreinerei, im Garten, im Umzugsbereich oder in der internen Küche und Hauswirtschaft – ist Teil dieses Wegs: Sie stärkt die Alltagskompetenzen, bringt kleine und grosse Erfolgserlebnisse und stärkt das Selbstvertrauen. Die Produkte entstehen im Team, aus Entwürfen der Mitarbeitenden, manchmal auch aus Ideen der Klientinnen und Klienten. Bei allem wird auf nachhaltiges Arbeiten geachtet. Die Holzhasen sind zum Beispiel aus recyceltem Material von Möbeln, die ihre Vorbesitzer eigentlich entsorgen wollten. «Der Freihof erledigt auch Umzüge und Entrümpelungen», lautet die Antwort auf die Frage nach der Quelle für das Altholz.
Seit zweieinhalb Jahren betreibt der Freihof Küsnacht im Dorfkern mit dem «Freiraum Küsnacht» ein kleines Ladenlokal, in dem die handgefertigten Unikate aus den Werkstätten verkauft werden. Besucherinnen und Besucher können dort nicht nur stöbern oder eigene Wünsche für die Produktion anbringen, sondern den Kreativen auch beim Arbeiten zusehen. «Wir haben einen guten Ruf in Küsnacht», freut sich Beatrice Betschart, Mitglied der Geschäftsleitung und verantwortlich für den Bereich Arbeitsagogik und Supported Employment. «Mit dem Freiraum sind wir noch sichtbarer geworden.»Das Huhn erhält inzwischen den letzten Schliff, bevor es, als Dekoartikel auf einen Sockel montiert, auf eine neue Heimat warten darf. Stolz schaut es, und das kann es auch sein: So eines gibt es kein zweites Mal.
Für die stationär untergebrachten Klientinnen und Klienten ist der Freihof Küsnacht ein Zuhause auf Zeit – ein geschützter Ort, um wieder Halt im Alltag zu finden. Struktur, gemeinsame Tätigkeiten und verlässliche Abläufe geben Sicherheit und Orientierung.
Auch kleine Rituale und gemeinsame Anlässe gehören dazu: Zu Ostern etwa gibt es einen gemütlichen Brunch, Schoggiosterhasen und Zeit zum Zusammensein. Solche Momente schaffen Gemeinschaft und vermitteln Normalität – für viele ein wichtiger Teil auf dem Weg zurück in ein eigenständiges Leben.
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