Restaurant Rössli: Eine Dorfbeiz schliesst

Von Dominique Luethi ‒ 30. April 2026

Die Zukunft des Restaurants Rössli in Erlenbach ist offen: Nach 14 Jahren haben die bisherigen Pächter den Vertrag vorzeitig aufgelöst. Der Betrieb schliesst heute. Nun prüft die Gemeinde, wie es mit der traditionsreichen Liegenschaft weitergehen soll.

Nach 14 Jahren endet im «Rössli» eine Ära: Das Restaurant schliesst heute die Türen. (Bild: dwe)
Nach 14 Jahren endet im «Rössli» eine Ära: Das Restaurant schliesst heute die Türen. (Bild: dwe)

«Wir hatten 14 gute Jahre und konnten vielen Menschen eine Freude bereiten», sagt der aktuelle Pächter Beni Fehr. Für ihn endet damit eine «wundervolle Zeit». Für viele Menschen aus Erlenbach und der Region geht ein wichtiger Treffpunkt verloren. Beni Fehr: «Wir selbst, einige Vereine und viele Menschen verlieren einen Ort, den sie ‹Zuhause› nennen.» Ausschlaggebend für die Schliessung seien neben gesundheitlichen Problemen auch wirtschaftliche Faktoren. Nun lässt die Gemeinde Erlenbach in einer Machbarkeitsstudie prüfen, wie die Liegenschaft künftig genutzt werden soll und welche Investitionen dafür nötig sind. Konkrete Zahlen liegen noch nicht vor. Akute bauliche Mängel gibt es gemäss Gemeinde keine. Dennoch wird untersucht, ob Anpassungen an der Infrastruktur nötig sind.

Restaurant bleibt … wahrscheinlich

Die Gemeinde als Eigentümerin der Liegenschaft sieht gute Chancen, dass im Gebäude wieder ein Gastrobetrieb einzieht, und schätzt diese auf rund 80 Prozent. Restaurants hätten im Dorfleben eine wichtige Funktion als Treffpunkte. «Diese soll beibehalten werden, indem die Gemeinde auch in Zukunft eigene Restaurants in ihrem Bestand hält», betont Ludwig Näf, Ressortleiter Liegenschaften der Gemeinde Erlenbach. Ein Verkauf steht derzeit nicht zur Debatte. Für die Gemeinde ist die Liegenschaft ein wichtiger Hebel, um die Entwicklung im Dorf langfristig mitzugestalten. Neben einem Restaurant werden auch andere Optionen im Rahmen der Studie geprüft. Ebenso ist unklar, wie lange die Liegenschaft leer stehen wird. Verlässliche Aussagen dazu seien erst nach Abschluss der Abklärungen möglich. «Der Entscheid über das weitere Vorgehen wird voraussichtlich im dritten oder vierten Quartal dieses Jahres gefällt», so Ludwig Näf.

Hohe Anforderungen

Die Gemeinde weist darauf hin, dass Umbauten in älteren Gebäuden heute oft aufwendig sind. Grund sind strengere Vorschriften, insbesondere beim Brandschutz und bei der Barrierefreiheit. Zusätzliche Fluchtwege, technische Anlagen oder ein Lift können nötig werden. Das führt zu höheren Kosten und mehr Planungsaufwand. «Die Einhaltung aktueller Bauvorschriften hat direkte Auswirkungen auf Baukosten und Nutzungsmöglichkeiten. Solche Eingriffe sind in bestehenden Gebäuden oft anspruchsvoll umzusetzen und können die nutzbare Fläche einschränken», sagt Ludwig Näf. Gleichzeitig betont die Gemeinde, dass solche Massnahmen die Sicherheit und die Zugänglichkeit verbessern und die verschiedenen Anforderungen jeweils sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Für den aktuellen Pächter war genau das ein entscheidender Punkt: «Durch notwendige bauliche Massnahmen, bei denen das Rössli Gästeraum verliert, ist ein wirtschaftlicher Betrieb mit unserer Philosophie nicht mehr möglich.» Heute öffnet das Rössli ein letztes Mal seine Türen für geladene Gäste. «Wir werden die letzten Stunden gemeinsam mit unseren Stammgästen geniessen», sagt Beni Fehr. Danach wolle man sich zunächst erholen. «Dann werden wir sehen, wo uns das Leben hintreibt.» Wie es mit dem Rössli weitergeht, dürfte sich also erst in den kommenden Monaten zeigen. Sicher ist: Die Bedeutung des Betriebs ist für das Dorf unbestritten, denn für viele im Dorf war und ist es mehr als nur ein Restaurant.

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