Von Dörte Welti ‒ 5. März 2026

Alles ist parat. Das Wartehäuschen ist im Denkmalschutz inventarisiert, ein Kredit von rund 1,3 Millionen Franken für Sanierung, Um- und Anbau ist gesprochen, Pläne sind erstellt – jetzt fehlt nur noch der Inhalt. 1938 wurde das Gebäude im Zuge der Landi 39 errichtet, damit die Gäste, die das damals neumodische Angebot von Seerundfahrten nutzen wollten, einen Ort zum Warten hatten. Die Originalpläne stammen von Architekt Fierz, das Objekt weist eine grosse Ähnlichkeit mit dem Wartehäuschen in Thalwil auf, das 1930 durch die Thalwiler Architekten Müller und Freytag erstellt wurde.
Die Idee ist nun, das Wartehäuschen wieder gastronomisch und auch kulturell zu nutzen. Bislang gab es mehr oder weniger erfolgreiche Versuche, das Objekt zu beleben. Mal durch den Gastronom Jérémie Crettol, der 2019 in einem erfolgreichen Pilotprojekt auf ein Jahr begrenzt Glace, Canapés, Salate und Getränke anbieten durfte, die er im damals von ihm betriebenen Fischstübli zubereitete. Nach dem Pilotprojekt sollte es weitergehen mit der Bistro-Idee, mit einer neuen Ausschreibung, aber es gab Streitigkeiten im Bewerbungsverfahren, eine Beschwerde beim Verwaltungsgericht gegen eine neue Vergabe und viel Unmut. Vorübergehend wurde das Wartehäuschen für besondere Anlässe genutzt. Dann wurden die gesamte Schiffländestrasse und der Platz direkt beim Schiffsanleger saniert, und mit Corona gerieten alle Pläne ins Stocken.
2022 wurden alle Massnahmen, die man schon für das Wartehäuschen in die Wege geleitet hatte, gestoppt, eine frische Idee sollte her. Mit dem Architektenbüro Eric Maier aus Unterengstringen und dem Denkmalschutz – es gab aufgrund der Grösse keinen Projektwettbewerb – wurde das Projekt nochmals komplett neu gedacht. Im letzten Jahr konnte das Geschäft «Schiffwartehalle, Sanierung und gastronomische Erweiterung, Kreditgenehmigung» durch alle Instanzen gebracht werden. Aktuell fehlt noch eine Baufreigabe der Gemeinde selbst, dann kann es losgehen mit den ersten Sanierungsarbeiten. Parallel dazu ist der Weg frei für Bewerbungen von Betreiberinnen oder Betreibern, die sich im historischen Komplex einen Bistrobetrieb vorstellen können.
Es ist kein Bistro der «normalen» Art, das dort betrieben werden könnte. Da es weiterhin ein Wartehäuschen sein wird, darf es dort keinen Konsumzwang geben. Rein wirtschaftliche Beweggründe für den Betrieb kann man getrost vergessen. Es wird keine Garküche eingebaut, die bestehenden Nasszellen werden zu einer Kleinküche umgerüstet, und es wird einen Anbau auf der Ostseite des Hauses für Gastro-Nebenräume und eine neue öffentliche WC-Anlage geben. Die Betriebszeiten sind aus Rücksicht auf die Anwohner begrenzt, um 22 Uhr muss jeweils Schluss mit lustig sein. Gemeinderat Ludwig Näf, verantwortlich für die gemeindeeigenen Liegenschaften, ist froh, dass jetzt die Bauarbeiten in greifbare Nähe rücken: «Wenn alles normal läuft, wollen wir an der diesjährigen Chilbi betriebsbereit sein.» Die Bewerber können ein Ganzjahres- oder Saisonkonzept einreichen, im Häuschen finden aber nur zehn bis zwölf Personen Platz. «An schönen Tagen darf man schon draussen einen Grill hinstellen», räumt Ludwig Näf ein, es gebe einiges an Möglichkeiten. Der Schiffsbetrieb dürfe hingegen zu keiner Zeit gefährdet und auch der untere Teil des Schiffsanlegers nicht für die Gastronomie zum Beispiel mit Stühlen und Tischen bewirtschaftet werden.

Wie stehen die Anwohner zur Aussicht, dass an der Schifflände wieder mehr Betrieb und auch abends ausserhalb der Schifffahrtszeiten Publikumsverkehr herrschen wird? Die direkte Anwohnerin, die Eigentümerin der ehemaligen Schönau, war leider nicht zu erreichen, es wird sie aber eventuell gar nicht gross interessieren, weil ihr Haus, das ehemalige Hotel und Restaurant Schönau, seit Jahren leer steht und zum Verkauf angeboten ist. Direkt daneben im Nachbarhaus wohnen zwei junge Familien. Bonnie Nüscheler schaut vom Balkon herunter und gibt auf Anfrage zu Protokoll, dass es für sie und die weiteren Hausbewohner okay sei, «wenn jemand Cooles das zukünftige Bistro führen würde». Etwa in der Mitte des Strassenzuges befindet sich das Fischstübli. Die zwei neuen Betreiber, Vasco Gamboni und Manuel Faria, seit einem Jahr auf dem kleinen Restaurant, wollen schon lange aktiv etwas zum Dorfleben beitragen und verraten, sich für das Bistro beworben zu haben. Sie möchten erreichen, dass der Dorfkern belebter wird, und haben einige Ideen, welche kulturellen Angebote im Häuschen integriert werden könnten. Und ein Stück weiter die Strasse hoch amtet Gudrun Katja Flügel. Sie arbeitet tagsüber an der Schiffländestrasse in ihrem Büro und wäre hocherfreut, wenn es im Wartehäuschen ein Bistro gäbe – und noch lieber, wenn es von den Betreibern des Fischstüblis geführt würde. Positive Feedbacks allerorten also, die Bewerbungsfrist läuft noch bis 20. März.
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