Von Björn Reinfried ‒ 7. Mai 2026
Heute werden Staaten oft als Vaterland beschrieben. Früher wurden sie allerdings als Mutterland bezeichnet. Dass Staaten weiblich beschrieben werden, hat bis heute Tradition in der Nationalallegorie, der Verkörperung eines Staates: So wird die Schweiz in Form der Helvetia auf unseren Münzen gezeigt, Albanien sieht sein Land in Nëna Shqipëri, der Mutter Albanien, repräsentiert, und Island erkennt sich in der Bergfrau Fjallkonan wieder – alles Frauenfiguren. Die Flora und Fauna sind als Mutter Natur eine weibliche Figur, und Alumni, ehemalige Studenten, bezeichnen ihre Universität traditionell als Alma Mater, als gütige, nährende Mutter. Küsnacht und Erlenbach haben keine Dorfallegorien, dafür aber viele Mütter: Jede Fussballspielerin und jeder Fussballspieler, alle Weinliebhaber, jeder und jede, der diese Zeitung liest (oder auch nicht), wurde von einer Mutter auf die Welt gebracht und zu einem grossen Teil erzogen und geformt. Am Sonntag ist Muttertag: Eine gute Gelegenheit, seiner Mutter etwas zurückzugeben für ihre gütige, nährende Art – egal, ob der leiblichen Mutter, einer Mutterfigur oder der Mutter Natur. Die Alma Mater zu besuchen, wäre auch eine Option, aber ob die am Sonntag offen hat?
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