Der Geruch des Sees

Von Dominique Luethi ‒ 5. März 2026

Als Junge sass er am See mit der Angel in der Hand. Heute führt er ein Unternehmen und bringt im Theater das Publikum zum Lachen. Stephan Schwendimann ist Unternehmer, Genussmensch und überzeugter Küsnachter. Sein Mut zeigt sich nicht nur im Alltag, sondern auch im offenen Meer.

Verwurzelt in Küsnacht: Stephan Schwendimann ist hier aufgewachsen und möchte bleiben. (Bild: dpl)
Verwurzelt in Küsnacht: Stephan Schwendimann ist hier aufgewachsen und möchte bleiben. (Bild: dpl)

An einem warmen Sommertag fährt ein Junge mit dem Trottinett Richtung See. Die Luft riecht nach Grillfeuer und ­Sonnencreme. Dort angekommen, setzt er sich ans Ufer, wirft seine Angel aus und weiss: Hier gehöre ich hin. «Wenn ich an meine Kindheit denke, dann erinnere ich mich an den Geruch des Sees», sagt er verträumt. Vieles hat sich seither verändert. Aus dem Jungen aus dem Heslibach ist ein selbstbewusster Unternehmer geworden, ein engagierter Gewerbler, ein Mann, der im Laientheater in Höchstform aufläuft, und ein Geniesser mit feinem Gespür für guten Wein. Doch eines ist geblieben: Stephan Schwendimann ist Küsnachter und will es bleiben.

Keine Zeit für Streiche

Als «Heile Welt» beschreibt er seine Kindheit. «Wenn ich an den See, den Wald und den Dorfplatz denke, dann löst das ein wohliges Gefühl aus». Plötzlich schmunzelt er. «Ich erinnere mich, dass wir vom «Hörnli», besser bekannt als Pflegeheim am See, ins «Sträme» geschwommen sind, nur damit wir keinen Eintritt bezahlen mussten». Für Lausbubenstreiche bleibt heute keine Zeit mehr. Vor ein paar Jahren übergab der damalige Inhaber des Malergeschäfts Nideröst & Brunner den Betrieb an zwei seiner langjährigen Mitarbeiter, darunter Stephan Schwendimann. So wurde aus ihm ein Unternehmer. «Schnell habe ich gelernt, Lösungen zu finden und Entscheidungen zu treffen.» Dabei habe er gemerkt: Unternehmertum kann man nicht lernen, man muss hineinwachsen. Am wichtigsten seien die Menschen: «Als wir den Betrieb übernommen haben, halfen mir meine Erfahrungen im Umgang mit Menschen. Erfolg bedeutet für mich, dass meine ­Mitarbeitenden zufrieden sind. Je glücklicher sie sind, desto erfolgreicher das Unternehmen.» Er schätzt die unternehmerische Freiheit, ist sich jedoch der Verantwortung bewusst. Entscheidungen trage er, auch dann, wenn sie nicht leichtfallen.

Kino im Dorf

Bis heute schätzt Stephan Schwendimann, dass er in Küsnacht alles findet, was er braucht. «Der Dorfcharakter gefällt mir. Ich fühle mich hier einfach wohl.» Für ihn ist Küsnacht nicht nur Wohnort, sondern Heimat. Ganz unkritisch sieht er seine Gemeinde jedoch nicht. «Eigentlich wollte ich nie von hier weg. Aber ich musste.» Für einige Jahre lebte er in einer Nachbargemeinde. Bezahlbarer Wohnraum fehlte. «Da muss unbedingt mehr passieren. Egal wie das Einkommen aussieht: Jeder sollte die Chance haben, hier etwas zu finden.» Dieses Thema beschäftigt ihn sichtbar. Was ihm ebenfalls am Herzen liegt, ist das Miteinander im Dorf. «Mir fehlt manchmal das gewisse Dorfplatz-Feeling. Vielleicht bräuchte es einen Markt oder etwas Ähnliches.» Er beobachtet die Entwicklung der Gemeinde ­aufmerksam. Das Bevölkerungswachstum und die zunehmende Internationalität beschäftigen ihn. «Es gibt immer mehr Menschen, und ich mache mir Sorgen um die Natur.» Auch die vielen gesprochenen Fremdsprachen seien für ihn nicht immer einfach. «Da ich selbst keine Fremdsprache spreche, ist das schwierig.» Für die Zukunft wünscht er sich, dass Küsnacht überschaubar bleibt. Und wenn er einen Wunsch frei hätte? «Im Sommer ein Kino am Horn.»

Philosophieren über Genuss

Er überlegt und sagt mit einem Lächeln im Gesicht: «Französisch würde ich gerne sprechen, dann könnte ich im Bordeaux mit den Winzern und Weinliebhabern philosophieren.» Und schon leuchten seine Augen. Als Weinkenner und Geniesser ist er im Freundeskreis bekannt. Er besitzt den einen oder anderen edlen Tropfen. Man merkt schnell: Er spricht nicht nur über Wein, er spricht über Leidenschaft. «Ich liebe besonders Bordeaux und deutschen Riesling. Ich habe einfach Freude am Genuss.» Ab und zu gehört für ihn auch eine gute Zigarre dazu. Zusammen mit einem guten Essen bei Freunden ist das für ihn der perfekte Abend.

«Alle haben einen kleinen Knacks»

«Ich bin ein Kopfmensch. Wahrscheinlich habe ich deshalb so oft Kopfschmerzen», sagt er lachend. Er habe seinen Weg gefunden und müsse niemandem mehr gefallen. «Ich bin ruhiger und entspannter geworden.» Stillstand sei jedoch nichts für ihn. «Ich habe Glück, an vielem Freude zu haben.» Selbstbewusst sagt er: «Privat wie geschäftlich habe ich etwas erreicht.» Wenn ihm etwas nicht passt, dann zieht er die Konsequenzen. Mit den Jahren hat sich eins verändert: «Früher liess ich vieles an mich heran. Heute kann ich viel besser damit umgehen.» Wenn ein Auftrag nicht zustande kommt oder eine schwierige Entscheidung ansteht, hat er gelernt, das zu akzeptieren.» Was er anstrebt, ist Zufriedenheit. «Ich möchte nicht das Gefühl haben, etwas zu müssen.» Als hätte er sich bei diesem Satz selbst ertappt fügt er hinzu: «Eigentlich bin ich diesem Zustand schon sehr nahe.» Allein meistert er sein Leben nicht. Zu Hause begegnet man einem Hund, einem grossen Aquarium voller Fische und einer Vogelspinne. «Ich wollte früher einmal Tierpfleger werden», erzählt er schmunzelnd. Für seine Leidenschaften gebe er gerne Geld aus. «Ich lebe einfach gerne.» Seit einigen Jahren steht er beim Laientheater Limberg auf der Bühne. Am liebsten spielt er in Komödien. «Wenn die Menschen im Publikum lachen, gebe ich damit etwas zurück.» Die Theatergruppe bedeutet ihm viel. «Alle haben einen kleinen Knacks, aber man kann sich auf die Menschen verlassen», sagt er lachend.

«Alle denken, mein mutigster Entscheid sei gewesen, ein Unternehmen zu übernehmen.» Er schüttelt den Kopf. In Thailand sei er eines Morgens allein ins offene Meer hinausgeschwommen. Ohne gross darüber nachzudenken. «Im Nachhinein war das ziemlich gefährlich.» Er macht eine kurze Pause und grinst: «Auch wenn nichts passiert ist, ich schwöre, irgendetwas hat mich am Bein berührt.»

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