Farbe, Saucen, Lebensfreude

Von Brigitte Selden ‒ 12. Februar 2026

Seit vielen Jahren prägt Rico Zandonella die Gastronomie in Küsnacht. Jetzt, kurz vor seinem 65. Geburtstag, bricht der charismatische Tessiner mit alten Konventionen und erfindet sich mit «Rico’s Così» neu.

Der Tessiner Rico Zandonella: Einer der besten Köche der Schweiz und eine prägende Figur der Küsnachter Gastronomie-Landschaft. (Bild: bse)
Der Tessiner Rico Zandonella: Einer der besten Köche der Schweiz und eine prägende Figur der Küsnachter Gastronomie-Landschaft. (Bild: bse)

Wer das Restaurant an der Seestrasse in Küsnacht betritt, taucht ein in eine Welt voller Farben. Es ist das Reich von Rico Zandonella, der zu den besten Köchen der Schweiz zählt. Der Tessiner prägte die hiesige Gastronomie – erst als Meisterschüler des legendären Horst Petermann, seit 2011 als dessen Nachfolger.

Von Ascona an die Goldküste

Rico Zandonellas Geschichte beginnt im sonnigen Ascona. Dort, wo sein Vater an der Piazza eine Bootsvermietung besass und im Sommer die Riva- und Boesch-Boote der Gäste pflegte, verbrachte er seine Kindheit. «Ich war schlecht in der Schule, also landete ich in der Küche», erzählt der Spitzenkoch mit einem Schmunzeln. Dass seine Mutter selbst Küchenchefin war – damals im Hotel Seeschloss –, ebnete ihm den Weg in eine Welt, die Disziplin und Kreativität gleichermassen fordert.

Seine Lehre absolvierte er im Hotel Ascolago (heute Eden Roc), wo er auf den Mann traf, der sein Leben verändern sollte: Horst Petermann. Als Petermann 1981 die «Kunststube» in Küsnacht übernahm, folgte ihm sein Musterschüler ohne Zögern. Was als klassische Zusammenarbeit zwischen Lehrer und Jungkoch begann, entwickelte sich über Jahrzehnte zu einer tiefen, fast familiären Bindung. «Horst war mein Mentor. Von ihm habe ich Disziplin gelernt und die Gabe, dankbar zu sein – Attribute, die für den Erfolg unerlässlich sind», reflektiert der Gourmetkoch. Als Horst Petermann sich 2011 aus dem operativen Geschäft zurückzog, übernahm Rico Zandonella das Ruder. Mit 50 Jahren sprang er ins kalte Wasser der Selbstständigkeit und etablierte bald seinen ganz eigenen Stil: «Plötzlich musste ich nicht nur kochen, sondern auch kalkulieren, organisieren und ein Unternehmen führen.»

Der See als Kraftort und Lebensqualität

Küsnacht ist für den 64-Jährigen, der direkt über seinem Restaurant lebt, längst mehr als nur ein Arbeitsort; es ist sein Zuhause. «Wenn man hier einmal Fuss gefasst hat, will man nirgendwo anders mehr hin», schwärmt er von der Gemeinde, die ihm alles biete: erstklassige Infrastruktur, eine treue Stammkundschaft, die etwa 80 Prozent seiner Gäste ausmacht, und die unmittelbare Nähe zum See.

Sein Alltag sei eng mit dem Wasser verbunden, erzählt Rico Zandonella. Der Hornweg ist seine tägliche Flaniermeile. Seine treue Begleitung: die englische Bulldogge Alma. Alma ist für ihn weit mehr als ein Haustier: Sie ist sein Anker, der ihm eine eiserne Tagesstruktur abverlangt. «Um sieben Uhr gehen wir raus an die frische Seeluft. Um halb acht mache ich Fitnesstraining, und ab 10.20 Uhr stehe ich in der Küche.» Dieser Rhythmus wiederholt sich am Nachmittag, bevor er ab 17.30 Uhr erneut am Herd steht, bis die letzte Sauce abgeschmeckt ist. «Dieses Ferienflair direkt vor der Haustür, kombiniert mit der Ruhe des Dorfs, ist ein riesiges Privileg.»

Der Mut zum Wandel: «Rico’s Così»

Die Gastronomie ist im Wandel, und Rico Zandonella gestaltet diesen aktiv mit. Als der Guide Michelin vor einiger Zeit seine beiden Sterne strich, sei er zuerst tief getroffen gewesen, erzählt der mit 18 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnete Spitzenkoch. Heute sagt er dazu kurz und bündig: «Tempi passati.» Den Verlust empfinde er nicht mehr als Niederlage, sondern als Befreiungsschlag. Statt dem Druck der Sternebewertungen nachzujagen, entschied er sich für die radikale Erneuerung unter dem Namen «Rico’s Così» (italienisch für: «So ist Rico»).
Die Neueröffnung findet am 4. März statt. Dann weht ein frischer, lockerer Wind durch die Räumlichkeiten. Das Konzept bricht mit der Steifheit der klassischen Haute Cuisine. Die Zeit der ausufernden Acht-Gang-Menüs sei für ihn vorbei. «Die Menschen wollen heute freier entscheiden. Sie wollen Qualität, aber ohne den Zwang des Zeremoniells», erklärt der Meisterkoch seine Philosophie. Er will seine Karte auf 15 Positionen konzentrieren und monatlich wechseln, um stets die frischesten saisonalen Produkte zu zelebrieren.

Für seine Stammgäste hält Rico Zandonella künftig auch einen neuen Stammtisch bereit: einen langen Tisch ohne klassische Tischdecke, gestaltet vom renommierten Designer Carlo Rampazzi, der ebenfalls aus Ascona stammt. Im neuen «Rico’s Così» können Gäste unkompliziert auf zwei Teller Pasta und ein Glas Wein vorbeikommen. Auch bei Letzterem geht er neue Wege: Stammkunden dürfen ihre eigenen Raritäten aus dem heimischen Keller mitbringen – gegen ein faires Zapfengeld. «Das ist mein Modell für die Zukunft: weniger Zwang, mehr Genuss.»

Kulinarische Ehrlichkeit

Trotz der neuen Lockerheit bleibt die Qualität der Küche auf Spitzenniveau. Von moderner «Tellerkunst», bei der die Optik mehr zählt als die Substanz, hält Rico ­Zandonella gar nichts. «Es muss diese Überraschung im Gaumen geben – etwas, das man zu Hause so nicht hinbekommt.» In einer Ära, in der viele Köche einfach auf Olivenöl setzen, zelebriert Rico Zandonella die hohe Kunst des Saucenkochens. Jeder Fond, jede Reduktion geht durch seine Hände. «Ich koche jede Sauce selbst, ich muss da einfach meine Finger im Spiel haben», sagt der leidenschaftliche Perfektionist mit einem Augenzwinkern. Seine Klassiker wie die Lasagnette von Langustinen oder sein Risottino Limone sind legendär. «Künftig werde ich aber auch rustikalere Speisen anbieten, etwa eine ganze Poularde für zwei Personen oder einen saftigen Schmorbraten mit Gnocchetti.»

Hinter seinem Erfolg steht auch ein Versprechen, das Rico Zandonella einst seiner Mutter gab. Als er diese vor zehn Jahren auf ihrem letzten Weg begleitete, habe sie ihm gesagt: «Rico, vergiss nie, woher du kommst.» Sie fürchtete wohl, der Glanz der Luxuswelt könnte seinen Blick für das Wesentliche trüben. Dieser Rat ist bis heute sein Kompass. Mit «Rico’s Così» darf man sich noch auf viele Abende voller Lebensfreude und Spitzengastronomie an der Seestrasse freuen. Denn Rico ist «Così»: Genau so, wie er ist, ist er am besten.

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