«Ich bin bis heute nicht am Ziel – zum Glück!»

Von Dörte Welti ‒ 2. April 2026

Daniela Ruetz ist seit 43 Jahren eine feste Grösse in Küsnacht. Die 63-Jährige kann auf ein Leben zurückblicken, das von Musik und Bewegung, von Komponieren, Lernen und Therapieren geprägt war. Und immer noch ist.

Eine, die Menschen jeden Alters immer wieder begeistert und zusammenbringt: Daniela Ruetz. (Bild: dwe)
Eine, die Menschen jeden Alters immer wieder begeistert und zusammenbringt: Daniela Ruetz. (Bild: dwe)

Rund 1500 Küsnachter Kindern ist Daniela Ruetz als Pädagogin in der Musicalabteilung der Musikschule Küsnacht in bester Erinnerung. Jedes Musical, das sie mit den Kindern, jeweils bis zu 100 Schülerinnen und Schüler pro Schuljahr, einstudiert hat, hat sie selbst komponiert, geschrieben, inszeniert und choreografiert. Überaus bereichernde Zeiten seien das gewesen, sinniert Daniela ­Ruetz. Sie erzählt von begeisternden Aufführungen, von Kindern, die jeweils enthusiastisch auf das grosse Finale hingearbeitet haben, von tausenden Stunden energiegeladenen Unterrichts, schweisstreibender Proben und dem damit einhergehenden herrlich verrückten Chaos. Vor dreizehn Jahren übergab sie alle Werke, die sie jemals für die Musikschule geschrieben hat, ihrer Tochter Vanessa ­Wunderli, die seitdem die Musicalabteilung unter eigener Leitung weiterführt. «Vor drei Monaten dann kam ­Vanessa zu mir und sagte, ‹Mami, mir gönnd d’Musicals us›», erzählt Daniela Ruetz. Buchstäblich ein Schalter sei da umgekippt und habe sie auf eine Idee gebracht: Warum nicht ein Musical über Küsnacht schreiben? Gedacht, gestartet. Jetzt sei sie dran, es zu finalisieren und an den Details zu feilen.

Das singende Seemeitli

Ein Musical über Küsnacht? «Küsnacht hat so viele verborgene Schätze», begeistert sich Daniela Ruetz. Sie sei ins Ortsmuseum gegangen und habe dort nach Geschichten aus der Vergangenheit gesucht, nach Kuriosem und nach Geheimnissen, die noch niemand gelüftet hat. Oder hätten Sie gewusst, dass vor 15 Millionen Jahren Nashörner in Küsnacht gelebt haben? Mehr wird nicht verraten, das Stück übergibt sie ihrer Tochter, und es soll schliesslich eine fulminante Überraschung fürs Dorf werden. So ist Daniela Ruetz. Wenn sie etwas fasziniert, hängt sie sich voll rein, startet ein Projekt und ruht nicht, ehe es nicht zu ihrer vollen Zufriedenheit zu Ende gebracht worden ist. Ihr Credo: Der Weg ist das Ziel. Der Entstehungsprozess sei das, was sie erfülle. Und sie fügt an: «Ich bin bis heute nicht am Ziel – zum Glück!» Sie ist ein Seemeitli, in Männedorf geboren, dort zur Schule gegangen, und sie hat eine Ausbildung zur Bewegungstherapeutin mit Schwerpunkt ­Theater absolviert. «Schon seit ich Kind bin, singe ich, spiele Klavier und bewege mich gerne», erklärt sie ihre Berufswahl. Eine Solokarriere habe sie nie gereizt, in Bands habe sie hingegen gerne gesungen. Ihr entspräche das Arbeiten im Team, etwas zusammen zu gestalten, Fäden zusammenzuknüpfen.

Projekte aus Leidenschaft

Dass sie sich in Küsnacht niedergelassen habe, sei die Schuld ihres Mannes. «Ich habe nach der Ausbildung Gymnastik und Jazztanz gelehrt», beschreibt sie die Ausgangslage für den Zufall, der sie und Roman Ruetz zusammenführte. Er ist Manual- und Physiotherapeut in Küsnacht und therapierte sie nach einer Tanzverletzung. So haben sie sich kennengelernt, das Paar hat heute zwei erwachsene Söhne. Im Rückblick ein rundes Leben: Tochter und Söhne grossziehen, Musicals kreieren, der Mann betreut seine Patienten. «Mit 50 hatte ich das Gefühl, ich bin, was das Musikalische angeht, an einem ­Höhepunkt angelangt», erinnert sich Daniela Ruetz an den Moment im Leben, an dem sie ­darüber nachdachte, was es noch alles zu tun geben könnte. Sie ­verspürte das Bedürfnis, selbst ­therapeutisch ­tätig zu werden und beendete eine Weiterbildung nach der anderen. Sie lernte alles über Persönlichkeitsentwicklung, liess sich zum Coach ausbilden, eignete sich Hypnose und autogenes Training an, machte eine weitere Ausbildung in Faszien-Distorsion. «Ich habe Spass gehabt, wieder in die Schule zu gehen», lautet ihre simple Erklärung für den Lernmarathon. Aus all dem, was da zusammenkam, kristallisierte sich bald eine neue Idee heraus: Medical Yoga. Das bietet sie inzwischen mit so grosser Resonanz an, dass sie weitere Klassen eröffnen kann. Und weil das jetzt so schön läuft, beschloss Daniela Ruetz, etwas für das Gemeinschaftsgefühl in Küsnacht zu tun. «Es fehlt ein Dorfmittelpunkt», konstatiert sie – wie so viele Einwohnerinnen und Einwohner im Dorf. «Ich würde mir wünschen, dass man aus der Anonymität findet und wieder miteinander spricht.» Auch sei die Kluft gross zwischen den Expat-Familien und jenen, die als alteingesessen gelten, und das sei schade. Also setzt sie eine Idee um: einen Ort oder einen Anlass, an dem man ­ungezwungen zusammenkommt, miteinander redet, sich vernetzt, Gedanken anstösst. Die Menschen seien heute alleine, einsam sogar. Und sie findet es schön, erneut ­etwas Neues ins Leben zu rufen. Mitte April schon soll es ein «Inspirit Forum» für einen solchen Austausch und ein Aufeinanderzu­gehen geben.

Auszeiten nach ihrem Gusto

Jetzt könnte man meinen, dass ­Daniela Ruetz ausgelastet wäre und, weil sie sich selbst so viel ­bewegt und engagiert, keinen Ausgleich bräuchte. «Doch – gerade, weil viele meiner Aktivitäten meine Energiereserven aufbrauchen», erklärt sie.

Also meditiert sie täglich und nimmt sich gemeinsam mit ihrem Mann Auszeiten für längere Segeltörns, zum Beispiel im Mittelmeer. Wer jetzt eine die Beine und die Seele baumeln lassende Binnenschweizerin vor Augen hat, irrt nicht ganz, aber doch ein bisschen. Daniela Ruetz geniesst zwar jede Minute auf See, schätzt es, offline zu sein – ohne Handy, die Praxen und Therapien zu Hause laufen dank guter Praxisteams auch ohne ihren Mann und sie weiter –, aber ganz untätig zu sein steht ihr nicht: Sie hat über das «Leben auf dem Segelschiff» ein Buch mit genau diesem Titel geschrieben, das demnächst erscheint. Eine Frau, die ganz schön was bewegt.

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