Lob und Kritik für Gemeinderat

Von Björn Reinfried ‒ 19. Februar 2026

Der Gemeinderat Erlenbach hat sich 2022 Legislaturschwerpunkte gesetzt. Jetzt, am Ende der Legislaturperiode, stehen diese Ziele auf dem Prüfstand. Die Ortsparteien ziehen Bilanz.

v. l. n. r.: Huyen Phan Sturm, Philippe Zehnder, Ludwig Näf, Tabea Giger,Susanne Rieder, Martin Dippon, Maya Suter Schilliger (Bild: zvg)
v. l. n. r.: Huyen Phan Sturm, Philippe Zehnder, Ludwig Näf, Tabea Giger, Susanne Rieder, Martin Dippon, Maya Suter Schilliger (Bild: zvg)

Der Gemeinderat erarbeitete zu Beginn seiner Amtszeit 2022 bis 2026 ein Legislaturprogramm. Darin definierte er vier strategische Handlungsfelder inklusive der angestrebten Veränderungen. Er legte die Themen Dorfgestaltung und Gesellschaft, Umwelt, Kommunikation und Zusammenarbeit sowie Verwaltungsorganisation und Transparenz als Schwerpunkte fest.

Der Küsnachter Bote hat die Ortsparteien nach ihren Einschätzungen zum Erreichen dieser Ziele gefragt. SP, Grüne, Mitte und SVP haben geantwortet.

Viel gearbeitet, aber …

Die SVP Erlenbach schreibt, der Gemeinderat habe viel gearbeitet und viele Dossiers angestossen. Sie nennt etwa die BZO-Revision und die IVHB-Umsetzung als technisch sauber und auf Kurs – allerdings sei diese politisch nicht ganz geräuschlos über die Bühne gegangen. Kritik übt sie an drei konkreten Projekten: Der Gestaltungsplan Bahnhofstrasse gelte nach mehrfacher Ablehnung durch die Stimmbürgerinnen und -bürger als gescheitert – das sei ein deutliches Signal der Bevölkerung, das ernst genommen werden solle. Beim ­Erlibacherhof kritisiert sie mangelnde Transparenz und ein umstrittenes Kosten-Nutzen-Verhältnis. Dass das Restaurant Rössli ab April 2026 seine Tore schliessen muss, bedauert die Partei ebenfalls. Grund seien Fehlberechnungen in der Sanierungsplanung gewesen.

Klares Verbesserungspotenzial sieht die SVP Erlenbach in der Arbeit des Gemeinderats. Dieser sei teilweise zu stark projekt- und strategiebetrieben, und ihm fehle die Sensibilität für die Akzeptanz in der Bevölkerung. Der Gemeinderat solle Bewohnerinnen und Bewohner zukünftig frühzeitig in Prozesse miteinbeziehen, statt Entscheidungen nachträglich zu erklären. Die fragliche Personalführung führte ausserdem zu Unsicherheiten und Kündigungen bei den Mitarbeitenden, was nicht zu einer zielgerichteten Arbeit innerhalb der Verwaltung geführt habe.

Auch in der Finanzpolitik sieht die SVP Mängel: Sie fordert bei kostenintensiven Grossprojekten wie dem Erlibacherhof eine strengere finanzpolitische Priorisierung. Die Kosten-Nutzen-Verhältnisse müssten künftig deutlich klarer dargelegt werden, um Transparenz bei den Steuerzahlern zu schaffen.

Zusammenfassend fordert die Partei mehr finanzielle Zurückhaltung, Respekt vor Volksentscheiden und eine Rückbesinnung auf die Identität des Dorflebens.

Viel Gutes im Bereich Umwelt

Die SP Erlenbach hebt in ihrem Fazit zwei Punkte als gelungen hervor: Sie begrüsse, dass es dem Gemeinderat gelungen sei, das Spitex-Angebot durch eine neue Kooperation zu verbessern und günstiger zu machen. Sie hält weiter fest, dass im Umweltbereich vieles überzeugend und nachhaltig umgesetzt worden sei. Als Beispiel nennt sie die Förderung der Biodiversität und einheimischer Bepflanzung, die Klimastrategie 2040 und den Ausbau erneuerbarer Energien bei Gemeindeliegenschaften.

Bei der Dorfgestaltung sei die Umsetzung von Projekten teilweise verzögert, vieles scheine jedoch aufgegleist und hoffentlich in naher Zukunft realisierbar.

Die SP schreibt, dass einzelne Gemeinderatsmitglieder einiges erreicht hätten. Allerdings habe das Präsidium bei Personalfragen eine weniger gute Hand bewiesen. Der abrupte Abgang der Gemeindeschrei­-
berin sowie der baldige Abgang ihres Stellvertreters und eine hohe Personalfluktuation hinterliessen keinen guten Eindruck.

Deutliche Worte

Die Mitte Erlenbach schreibt in ihrer Einschätzung zur Arbeit des Gemeinderats, dass dieser 2022 in den Legislaturschwerpunkten keine messbaren Ziele festgehalten habe. Dies steht laut Parteipräsident im Widerspruch zu Philippe Zehnders Aussage, er arbeite nach «Management by Objectives». Die Partei schreibt jedoch auch, der Gemeinderat habe viele wichtige und richtige Themen identifiziert, etwa in den Bereichen Dorfgestaltung, gesellschaftlicher Zusammenhalt, Kommunikation und Verwaltungsorganisation. Allerdings zeige sich bei der bisherigen Umsetzung ein deutlicher Schwerpunkt auf Analyse, Überprüfung und Prozessarbeit, während für die Bevölkerung nur begrenzt sichtbar werde, welche konkreten Resultate bereits erreicht wurden. Aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger habe sich gefühlt nicht viel getan – etwa in der Dorfgestaltung und der Nutzung gemeindeeigener Liegenschaften. Hier bleibe unklar, welche Verbesserungen oder klaren Entscheidungen vorliegen. Auch der Anspruch, ein attraktives Dorfleben zu fördern, wirke in der Umsetzung wenig greifbar und kaum priorisiert.

Bei der Winkelbadi beobachtet der Präsident der Mitte Marc Flückiger Stillstand oder gar Rückschritt im Gastrokonzept und den Öffnungszeiten des Kiosks. Dieser Umstand sei weder im Sinne der Bevölkerung noch im Einklang zur Umweltstrategie gelöst worden, fahre doch im Sommer der Pizzalieferdienst im Viertelstundentakt in die Badi. Er kritisiert, dass generell Mitwirkung oft erst in einem späten Projektstadium gesucht würde.
In der Kommunikation und Zusammenarbeit sei zwar eine Weiter­entwicklung erkennbar, allerdings
erfolge diese häufig einseitig informierend. Insbesondere in der Kommunikation habe es in den letzten vier Jahren einige unglückliche Fälle gegeben. Auch in der Zusammenarbeit sieht die Mitte Mängel und nennt das Beispiel der Partnerschaft mit Küsnacht und dem Seerettungsdienst. Hier habe der Gemeinderat die Bedeutung der Zusammenarbeit für Teile der Bevölkerung komplett unterschätzt.

Auch im Bereich der Verwaltungsorganisation und Transparenz sieht die Mitte Mängel. Zwar sei der Wille zu modernen Strukturen vorhanden, nach aussen bleibe jedoch schwer nachvollziehbar, welche konkreten Verbesserungen im Verwaltungsalltag oder im Service für die Bevölkerung spürbar seien. Die hohe Personalfluktuation in der Verwaltung sei zulasten von Projekten geschehen.

Spürbare Entwicklungen sieht die Mitte im Schwerpunkt Umwelt. Hier seien Konzepte und Prozesse sichtbar implementiert worden. Zusammenfassend, schreibt die Partei, entstehe das Bild eines Gemeinderats, der strategisch teilweise die richtigen Themen aufgenommen habe, in der Umsetzung jedoch eher bürokratisch agiere. Es fehle dem Gemeinderat zum Teil am Willen, sich für das Dorf einzusetzen, weswegen die Legislaturziele nur in Teilen erfüllt worden seien, schreibt der Parteipräsident der Mitte.

Offene Gespräche

Die Grünen Erlenbach schreiben, es seien einige Legislaturziele angegangen, und bewerten das positiv. So nennt die Partei eine hervorragende Klimastrategie mit Netto-Null-Ziel per 2040, das Reglement zur Förderung der Biodiversität und die Spitex, die wieder durch lokale Organisationen erbracht wird. Die Grünen begrüssen die höhere Gewichtung des Veloverkehrs bei der geplanten Neugestaltung an der Drusbergstrasse und das Projekt für günstigen Wohnraum an der Freihofstrasse. Insgesamt sei auf dem Gemeindegebiet jedoch vor allem preisgünstiger Wohnraum verloren gegangen, so etwa im Erlengut. Generell seien die Mieten und Wohneigentumspreise in sphärischen Höhen – das Drücken auf einen tiefen Steuerfuss würde diesen Umstand nicht verbessern. Die Partei findet, dass mit einer entsprechenden Liegenschaftsstrategie mehr für eine Durchmischung der Bevölkerung getan werden könne – hier sei zu wenig geschehen.

Beim Erlibacherhof sei wenigstens ein Projekt unter Einbezug von Feuerwehr und Werkhof umgesetzt, bei der Winkelbadi sei jedoch wenig bis gar nichts erfolgt. Für die künftige Nutzung sei nach jahrzehntelanger Verzögerung das Feedback aus der Bevölkerung miteinbezogen, allerdings stehe ein realisierbares Projekt noch aus. Hier verlangt die Partei Pragmatismus, um einer fortschreitenden Verwahrlosung des Gebäudes ein Ende zu bereiten.

Transparenz ist ein Muss

Ungenügende Noten geben die Grünen in Sachen Verwaltungsführung und Transparenz. Hier sei keine Verbesserung gelungen, und die ausserordentlich hohe Fluktuationsrate in der Verwaltung spreche Bände. In Personalfragen habe das Gemeindepräsidium keine glückliche Hand bewiesen.

Zusammenfassend fordern die Grünen vom Gemeinderat keine schönen Worte oder ausweichende Antworten bei Schwierigkeiten, sondern Gestaltungswille und offene Gespräche. Sie sieht die Gemeinde in der Pflicht, sich für eine durchmischte Bevölkerung, Biodiversität, Energie- und Klimafragen einzusetzen. Für sie ist Transparenz, Einbezug der Bevölkerung bei Projekten, Dorfentwicklung und Engagement in sozialen und Umweltbereichen ein Muss.

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