Showdown zu später Stunde

Von Dörte Welti ‒ 26. Februar 2026

Hans-Peter Amrein hatte vorgesorgt am Dienstagabend. Der grosse Festsaal gebucht von ihm, Räume für die Parteien von D wie Die Mitte bis S wie SVP eingerichtet, Apéro organisiert – und alles bezahlt. Jetzt fehlten nur noch die Bürger, die das Podium zu den Küsnachter Gemeinde­wahlen im Hotel Sonne mitverfolgen wollten.

Himmlische Location für irdische Anliegen: Der Festsaal im Hotel Sonne war bis auf den letzten Platz gefüllt. (Bild: dwe)
Himmlische Location für irdische Anliegen: Der Festsaal im Hotel Sonne war bis auf den letzten Platz gefüllt. (Bild: dwe)

Und die kamen. In Scharen. Für 160 Personen war gestuhlt, 200 maximal dürfe er zulassen, rapportierte der Hoteldirektor Harald Raab und liess genügend Sitzmöglichkeiten heranschaffen, dass alle, die wollten, dem Podium zu den Küsnachter Gemeindewahlen im Festsaal des Hotels Sonne beiwohnen konnten. Moderiert wurde der Abend vom Kommunikationsberater und Journalisten Andreas Schürer. Er umriss die Programmpunkte des Abends und gab die Bühne frei für die acht Kandidaten, die sich am 8. März zur Wahl stellen. In alphabetischer Reihenfolge stellten sich die sechs Frauen und Männer für den Gemeinderat vor, jeder in drei – gestoppten – Minuten, und bekräf­tigten, was ihnen wichtig ist. Anschliessend erhielten auch die Kandidatin und der Kandidat für das Schulpräsidium je drei Minuten Redezeit.

Lust und Frust

Nach dem rund 30-minütigen Vorstellungsreigen kam es zum Höhepunkt des Abends, dem Podiumsgespräch zwischen dem amtierenden Gemeindepräsidenten Markus Ernst (FDP), der gerne wiedergewählt werden möchte, und seinem parteilosen Herausforderer und Initianten des Abends, Hans-Peter Amrein. Andreas Schürer sass zwischen den beiden Männern und sorgte dafür, dass der Abtausch einigermassen strukturiert über die Bühne ging. Es begann gesittet; der Moderator bat um Aussagen zu Lust und Frust des Wahlkampfs bis hierher. Auf den Frust konnten sich beide einigen: Es sei nicht schön, dass immer wieder Wahlplakate zerstört würden. Markus Ernst gab als Lustfaktor an, wie respektvoll der Wahlkampf mit positivem Geist geführt worden sei, Hans-Peter Amrein toppte mit der Aussage, Wahlkampf sei etwas vom Schönsten, was es gebe, nur Gemeindepräsident zu sein, sei noch schöner. In puncto Selbstverständnis gab der amtierende Präsident an, man sei Moderator, Manager, politischer Taktgeber, Hüter der Spielregeln und müsse das Gespür für das Machbare haben. Der Herausforderer entgegnete, man müsse auch ein Sensorium für Minderheiten entwickeln und sprach einen Brennpunkt an, der noch für Tumult sorgen sollte: die Freistellung der ehemaligen Chefredakteurin der ehemaligen Lokalzeitung. Dazu eine Breitseite an die derzeitige Publikation: Der Küsnachter Bote sei noch etwas schmalbrüstig, man bekomme halt nur das, was man bezahlt habe.

Keine neuen Themen

Bevor es aus dem Ruder lief, lenkte der Moderator das Gespräch zurück auf die Probleme des Dorfs, fragte, wo der Schuh drücke und was nach Meinung der Podiumsteilnehmer gut laufe. Markus Ernst war voll des Lobes über das bisher Erreichte, meinte aber auch, dass es aus unterschiedlichen Gründen bei den Themen Fluglärm und Klima noch hake. Der Aspirant auf sein Amt lobte die charmanten Angestellten im Gemeindehaus, mahnte jedoch an, die Verwaltung komme angesichts der anstehenden Projektfülle wohl an ihre Grenzen. Zudem sei die Mehrheit einer Partei im Gemeinderat ungesund. Allmählich hatte man sich warmgeredet, und die Gäste im Saal wurden Zeugen eines klassischen Schlagabtauschs. Es ging um die bekannten Themen wie BZO, Parkplätze, Mehrwertabschöpfung, Krone Forch, 30er-Zonen, Wohnungsbau – eben alles, was die Küsnachterinnen und Küsnachter in den letzten vier Jahre praktisch permanent beschäftigt hat. Hans-Peter Amrein war klar auf Konfrontationskurs und schickte einen Vorwurf nach dem anderen in Richtung Markus Ernst. Dieser war jedoch gut vorbereitet und wartete mit Entkräftigungen und Gegenargumenten auf. Beiden Kontrahenten gelang es gut, ihre Positionen klarzumachen, und enttäuschten ihre jeweiligen Anhänger nicht. Markus Ernst musste sich deutlich stärker verteidigen, blieb dabei aber diplomatisch, während sein Kontrahent mit wortgewaltigen Beschüssen agierte, austeilte und sich kämpferisch gab.

Alte Wunden aufgerissen

Die anschliessende Fragerunde, zu der wieder alle Kandidaten aufs Podium gebeten wurden, begann mit einem Wortgefecht. Die angesprochene ehemalige Chefredakteurin des früheren Lokalblatts Küsnachter ergriff das Wort und liess das Plenum wissen, sie sei das erste Mal nach den damaligen Vorfällen wieder in Küsnacht und sehe Markus Ernst zum ersten Mal blank lügen. Sie warf ihm vor, er sei schuld daran, dass sie ihren Job verloren habe, und erntete tosenden Applaus vom Publikum für ihr Votum. Offensichtlich steht da noch immer Aussage gegen Aussage; den Vorwurf zu klären wäre in diesem Rahmen gar nicht möglich gewesen. Und so griff auch der Moderator irgendwann ein und beendete das Hin und Her resolut. Die nächste Frage aus dem Publikum an Markus Ernst war, ob er Einfluss auf gewisse Artikel des Küsnachter Boten vor der Veröffentlichung nehme. Dem ist natürlich nicht so, das können wir an dieser Stelle nicht vehement genug betonen. Markus Ernst selbst fand die Richtung, in die diese Frage gehe, absurd. In weiteren Fragen ging es um gefühlten Demokratieabbau, es fänden immer weniger Informationsveranstaltungen statt, nicht alle könnten sich im Internet informieren. Markus Ernst beteuerte, jeder, der sich bei der Gemeindeverwaltung melde, bekomme sämtliche Informationen zu Wahlen, Abstimmungen und Geschäften frei Haus zugeschickt. Weitere Fragen drehten sich um einzelne Punkte wie ÖV-Anbindungen vom oberen zum unteren Küsnacht, den Eurobus, mögliche Busgaragen und Bushaltestellen.

Hart aber fair

Wie der Moderator am Ende richtig zusammenfasste, wurde an diesem Abend mit harten Bandagen gekämpft. Handgreiflichkeiten blieben zum Glück aus, ausser zum Schluss, wo sich Ernst und Amrein die Hände schüttelten – eine nette Geste von zweien, die das Heu so was von nicht auf der gleichen Bühne haben. Am Anfang des Abends hatte der Moderator das Plenum gebeten, die Hände zu heben, wer schon abgestimmt habe und wer noch nicht. Augenscheinlich war das Verhältnis etwa fünfzig zu fünfzig; wenn das ein Indiz für den Wahlkampf ist, wird’s tatsächlich spannend.

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