Vom Heslibach ins Letzigrund

Von Björn Reinfried ‒ 2. Oktober 2025

Der 18-jährige Gian Stork spielt in der U19-Nationalmannschaft der Schweiz und ist einer der Nachwuchstalente des FCZ. Bereits zwei Mal spielte er mit der ersten Mannschaft in der Königsklasse des Schweizer Fussballs.

Auf dem Sprung zum Profifussballer: Gian Stork will ins Kader der ersten Mannschaft beim FCZ und darüberhinaus. (Bilder: Karlo Culo)
Auf dem Sprung zum Profifussballer: Gian Stork will ins Kader der ersten Mannschaft beim FCZ und darüberhinaus. (Bilder: Karlo Culo)

Wer schon einmal ein Spiel des FC Zürich im Letzigrund verfolgt hat, der weiss, dass die Fans, die «Boys», sehr laut sein können. Selbst auf der gegenüberliegenden Seite des Stadions dröhnt das «Züri allez allez!» der Südkurve durch Mark und Bein. Wie sich diese Wand aus Gesang und blau-weissen Fahnen als Spieler anfühlt, weiss der 18-jährige Gian Stork aus eigener Erfahrung: «Wenn du vom Platz aus die Südkurve hörst und siehst, dann ist das ein überwältigendes Gefühl. Das zu erleben, habe ich mir schon lange gewünscht.» Sein Pflichtspiel-Debüt in der ersten Mannschaft des FCZ gab der Küsnachter im Super-League-Spiel Zürich gegen Sion. In den letzten vier Minuten wurde er eingewechselt und war trotz Niederlage begeistert: «Als Verteidiger für vier Minuten eingewechselt zu werden und dann zwei Goals zu kassieren, ist natürlich bitter. Trotzdem hat mich diese Erfahrung noch mehr motiviert: Ich habe noch viel zu lernen und muss noch härter arbeiten.»

Gian Stork lebt zusammen mit seiner Mutter und seinen drei Brüdern in Küsnacht. Seit er ein Kind ist, spielt er Fussball – zuerst beim FCK, seit seinem elften Lebensjahr dann beim FCZ. Er hat alle Juniorenstufen im Verein durchlaufen und kann bereits jetzt auf mehrere Erfolge zurückschauen: den U16-Cup-Titel, den U17-Meistertitel, Länderspiele der Nationalmannschaft in der jeweiligen Altersklasse. «Aber einer meiner bisher grössten Erfolge sind die beiden Spiele in der ersten Mannschaft und mit ihr trainieren zu dürfen», sagt er.

Das zweite Spiel des jungen Innenverteidigers für die erste Mannschaft des FCZ war in der ersten Runde des Schweizer Cups. In der zweiten Halbzeit verteidigte er unter Mitchell van der Gaag den Kasten gegen die anlaufende Elf des FC Wettswil-Bonstetten. Plötzlich mit den Fussballern auf dem Platz zu stehen, die man vorher selbst als Fan bewundert hat, findet er speziell: «Am Anfang habe ich eigentlich gar nicht richtig realisiert, dass ich jetzt mit Yanick Brecher oder Steven Zuber zusammen trainiere. Steven Zuber habe ich früher als Nati-Spieler im Fernsehen verfolgt, und jetzt trainiere ich mit ihm zusammen. Das ist schon besonders und macht mich stolz.»

Zwischen Büro und Fussballplatz

«Ich bin jetzt noch kein Profi», relativiert Gian Stork, «aber ich bin auf einem guten Weg dahin.» Für seinen Traum, zu einem der Besten zu gehören, investiert er viel Zeit: Sechs Mal pro Woche trainiert er in Zürich mit dem FCZ, weitere private Einheiten wie etwa Kraft- oder Ausdauertraining kommen dazu. Ein Training dauert eineinhalb bis zwei Stunden, manchmal auch länger. Hinzu kommen die Spiele an den Wochenenden. Für Gian Stork ist dieser Aufwand jedoch selbstverständlich: «Ich denke schon, dass ich Talent habe – aber das haben viele. Das allein reicht nicht aus. Deshalb muss ich härter arbeiten als andere, um dahin zu kommen, wo ich hin möchte.»

Nebst dem Fokus auf seine sportliche Laufbahn absolviert er zusätzlich noch eine schulische Ausbildung: Er macht eine KV-Lehre bei der Migros und ist im letzten Lehrjahr. «Fussball ist ein schnelles Business. Wenn du Pech hast und dich verletzt, kann es vorbei sein. Deshalb ist es mir wichtig, nebenbei auch noch eine Ausbildung zu haben.»

Ein Blick in die Zukunft

Ein Interview mit einem Fussballer wäre unvollständig, würde man ihm nicht jene Frage stellen, die die Fussballwelt seit Jahren beschäftigt: CR7 oder Messi? Gian Stork lacht: «Ich würde sagen, Ronaldo ist der Bessere von beiden.» Seine persönlichen Vorbilder sind aber weder der Portugiese noch der Argentinier: «Virgil van Dijk finde ich sehr gut und spannend von der Technik her. William Saliba oder Dean Huijsen ebenfalls. Das sind drei, zu denen ich aufschaue.» Auch in den Spielern des FCZ sieht er Vorbilder, von denen er viel lernen kann. In der Schweizer Nationalmannschaft gibt es für Gian Stork ein weiteres grosses Vorbild: den Abwehrspieler Manuel Akanji, der darüber hinaus in dem Club spielte, in dem Gian Stork irgendwann selbst einmal spielen möchte.

«Im Moment habe ich vor allem zwei grosse Ziele», erklärt der Küsnachter Fussballer seine Pläne. «Ich möchte zu einem fixen Bestandteil des Kaders der ersten Mannschaft werden, und ich möchte meine Lehre abschliessen.» Langfristig sieht er den Sprung in den internationalen Fussball als Ziel und weiss auf die Frage, wo er sich in fünf Jahren sieht, sofort eine Antwort: «Bei Manchester City.» Auch das verbindet ihn mit Manuel Akanji. Und noch etwas: Wie sein Schweizer Idol wäre es für Gian Stork ein grosser Traum, in ein paar Jahren selbst im roten Trikot der Schweizer A-Nati zu spielen. «Es ist natürlich eine riesige Ehre, sein Land an einem Spiel vertreten zu dürfen», sagt der Fussballer, der genau das bereits in der U19 macht.

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