«Das Volk hat die Regierung, die es verdient»

Von Dörte Welti ‒ 12. März 2026

Das ist die einzige Aussage, die Hans-Peter Amrein, Heraus­forderer des amtierenden und wiedergewählten Gemeindepräsidenten Markus Ernst zu den Erneuerungswahlen vom vergangenen Sonntag machen wollte. Die Reaktionen der Kandidatinnen und Kandidaten sonst: von leidenschaftlich bis ernüchtert.

Sie wurden gewählt: Lukas Henle, Gauthier Rüegg, Pia Guggenbühl, Markus Ernst als Präsident, Stephanie Rippmann neu als Präsidentin Schulpflege, Adrian von Burg und Claudio Durisch; Gemeindeschreiberin Catrina Erb Pola. (v. l., Bild: dwe)
Sie wurden gewählt: Lukas Henle, Gauthier Rüegg, Pia Guggenbühl, Markus Ernst als Präsident, Stephanie Rippmann neu als Präsidentin Schulpflege, Adrian von Burg und Claudio Durisch; Gemeindeschreiberin Catrina Erb Pola. (v. l., Bild: dwe)

Der Souverän hat entschieden: Markus Ernst (FDP) ist der alte und der neue Gemeindepräsident und tritt damit im Juli seine vierte Legislaturperiode an. Sein Herausforderer, Hans-Peter Amrein (parteilos), erreichte das absolute Mehr nicht und zieht auch nicht in den Gemeinderat ein. Neben ­Markus Ernst sind Claudio Durisch (parteilos), Pia Guggenbühl (FDP), ­Gauthier Rüegg (FDP) und Adrian von Burg (SVP) ebenfalls wiedergewählt worden. Für den frei gewordenen Sitz von Susanna Schubiger (GLP) zieht neu Lukas Henle (Die Mitte) in den Gemeinderat ein. Den siebten Sitz kann Stephanie Rippmann (FDP) für sich verbuchen, die neu als Präsidentin der Schulpflege gewählt wurde und damit ebenfalls zum Gemeinderat gehört. Ihr Herausforderer, Werner Gröner (parteilos) bekam nicht genügend Stimmen für eine eventuelle Stichwahl und auch nicht genügend, um in die Schulpflege einzuziehen.

Kontinuität erwünscht

«Die Gemeinde hat sich für Kontinuität entschieden», äussert sich Markus Ernst zu seinem Sieg. Dass er nur die fünftmeisten Stimmen in der Wahl erzielte, kommentiert er wie folgt: «Ich freue mich, dass mir das Vertrauen ausgesprochen wurde. Klar, es ist sicher kein Spitzenresultat. Aber seit fünf Jahren werde ich von einem kleinen Kreis regelmässig angefeindet. Da bleibt immer etwas haften.» Gauthier Rüegg (FDP) sagt dazu: «Der Gemeindepräsident deckt uns gegen aussen. Gegen die feindseligen Stimmen. Er muss es jeweils ausbaden.» Pia Guggenbühl (FDP) äussert sich entspannter: «Es ist ein erfreuliches Ergebnis. Es zeigt, dass die FDP Vertrauen in der Gemeinde geniesst.» Und sie ist erfreut, mit Stephanie Rippmann (FDP) eine weitere Frau im Gemeinderat zu sehen. Diese ist in Feierlaune: «Ein gutes Ergebnis. In der Schulpflege sind wir ein funktionierendes Team, und ich freue mich auch auf die Arbeit im Gemeinderat, die für mich neu ist. Am meisten aber freue ich mich auf die Aufgaben in der Schulpflege.»

Shootingstar an Bord

Claudio Durisch (parteilos) konnte die meisten Stimmen für sich verbuchen: «Das ist eine grosse Überraschung für mich, Platz eins hätte ich nicht erwartet. Ich denke, es ist ein Dank der Wählerinnen und Wähler für die bisher geleistete Arbeit und ein Vertrauensbeweis für die nächsten vier Jahre.» Das politische Gewicht der FDP wird sich nicht verändern, nach wie vor kommen vier der sechs respektive sieben Gemeinderätinnen und Gemeinderäte aus dieser Partei. Die SVP ist etwas enttäuscht über das Wahlergebnis. Präsident Nicolas Bandle äusserte sich am Tag danach: «Wir haben unseren Sitz im Gemeinderat erfolgreich verteidigt. Adrian von Burg hat ein top Resultat erzielt. Unser Ziel war es, mit Manuel Häusermann eine zweite bürgerliche Stimme im Gemeinderat zu haben, aber die Küsnachterinnen und Küsnachter haben sich diesmal für einen breiter abgestützten Gemeinderat entschieden.» Der durch Susanna Schubigers Abgang verlorene GLP-Sitz wird mit Lukas Henle denn auch durch einen Sitz für Die Mitte ersetzt. Der Neuzuzüger ist seit Herbst 2025 im Dorf wohnhaft und sichtlich aufgestellt ob des Shootingstar-Erfolgs: «Ich war mir nicht sicher, ob sich jemand, der neu in der Gemeinde ist, gegen Kandidatinnen und Kandidaten durchsetzen kann, die schon lange hier sind.» Die Gründe für seinen Erfolg sieht er in der Unterstützung von Parteifreunden und -kollegen. Auch eine gewisse Kreativität bei der Mobilisierung habe geholfen: «Auf LinkedIn gibt es 1400 Profile von Küsnachterinnen und Küsnachtern. Die kann man gezielt ansprechen – ich denke, das war ebenfalls entscheidend.» Seiner Meinung nach hat auch seine Wirtschaftskompetenz Einfluss gehabt.

Sichtbarkeit als Schlüsselkriterium

Social-Media-Aktivitäten oder eben das Fehlen selbiger sieht man auch bei der SP als Kriterium für ein Ja oder Nein zur Wahl einer Person. Präsidentin Elisa Catanho, die für einen Sitz in der Sozialkommission angetreten war und nicht gewählt wurde, gibt sich trotzdem positiv: «In meinen fünf Monaten als Präsidentin der SP Küsnacht konnten wir bereits erste Schritte in eine progressive Zukunft für unsere Gemeinde gehen. Ich werde weiterhin dafür einstehen, Missstände aufzudecken, Transparenz zu gewährleisten und die Lebensqualität aller zu sichern.» Sie wertet den Wahlausgang trotzdem als Erfolg, weil mit Tamara ­Padrutt nach vielen Jahren wieder eine SP-Kandidatin in die Schulpflege einziehen kann. Persönlich ist sie hocherfreut: «Ich bin glücklich, dass jemand wie ich mit Migrationshintergrund immerhin über 1200 Stimmen erreichen konnte.» Auch Werner Gröner, der als Parteiloser für das Schulpflegepräsidium kandidierte hatte und nicht gewählt wurde, sieht sein Versäumnis in der mangelnden Sichtbarkeit: «Ich hätte mich besser positionieren und vielleicht aktiver auf Social Media sein müssen.» Alle bisherigen Mitglieder der Schulpflege, die kandidiert haben, wurden wieder gewählt. Für diesen Wahlausgang findet Werner Gröner klare Worte: «Das ist absolut bedauerlich für unsere Kinder. Die Kinder sind bei uns nicht im Vordergrund, sondern das System mit rein politischen Interessen.» In die Schulpflege wurden neu auch Patricia von Orelli (parteilos) und Christian ­Fenner (SVP) gewählt. David Stoob (SVP), Marc Lindt (FDP) und Agnes Bachmann Hofmann (GLP) konnten sich nicht durchsetzen. Für die Sozialkommission wurden alle drei bisherigen Mitglieder bestätigt.

Die Kirche hat einen neuen Präsidenten

Auch in der Kirchenpflege gab es eine Entscheidung: Timo Fenner (FDP) ist der neue Präsident der reformierten Kirchenpflege, seine Konkurrentin Christine Wolff Frank (parteilos) erreichte das geforderte Mehr von 614 Stimmen nicht, es reichte ihr aber für einen Sitz in der Kirchenpflege. Alle bisherigen Mitglieder wurden wiedergewählt. Neben der neuen gewählten Christine Wolff Frank wurde auch Cornelia Roffler (parteilos) als neues Mitglied gewählt. Keine grossen Überraschungen gab es bei der Rechnungsprüfungskommission (RPK). Tim Dührkoop (FDP) wurde mit sicherer Mehrheit wieder in das Präsidium gewählt. Für die neun zur Verfügung stehenden Sitze gab es zehn Kandidatinnen und Kandidaten. ­Tiziano Foiera (SVP) erhielt zwar mehr Stimmen als das geforderte Mehr, jedoch am wenigsten von allen. Daher bekommt der neu angetretene Kandidat keinen Sitz in der RPK.

Solide Bürgerrechte

Bleibt noch zu erwähnen, dass die Wahlbeteiligung mit knapp über 54 Prozent erfreulich hoch war und dass Karin Bischofberger (Die Mitte), mit 3125 Stimmen wieder in die Bürgerrechtskommission gewählt, 1000 Stimmen mehr als letztes Mal verbuchen kann. Eine Politikerin also, auf die sich doch ziemlich viele Wählerinnen und Wähler im Dorf einigen können. Als Vizepräsidentin ihrer Partei nennt sie neben der Freude über die Wiederwahl von Urs Duss in die RPK die Wahl von Parteikollege Lukas Henle einen Meilenstein: «Es ist gut, dass wir jetzt einen direkten Draht in den Gemeinderat haben.» Das sei vor rund zwanzig Jahren das letzte Mal der Fall gewesen und somit ein historisches Ergebnis. Für die vier Sitze der Bürgerrechtskommission standen fünf Kandidaten zur Verfügung. Dominik Dozza (SP) erreichte zwar das Stimmenmehr, vereinte am Ende aber die wenigsten Stimmen auf sich und zieht nicht in die Bürgerrechtskommission ein. Dafür aber neu Beatrice Stäheli (FDP) und Ferran Romero (FDP), Gianni Platz (SVP) wurde bestätigt. Summa summarum bleibt es bei der bürgerlichen Ausrichtung der Gemeinde. Demokratisch gewählt.

Die Position der oder des stellvertretenden Gemeindepräsidentin bzw.Gemeindepräsidenten wird an der konstituierenden Sitzung im Juli festgelegt.

Alle Ergebnisse und Zahlen zu den übrigen Gewählten und Kandidierenden finden Sie hier.

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